Neue Pflicht für Camper: Regelmäßige Gasprüfung ab 2026 vorgeschrieben
Gasprüfung wird Pflicht für Camper und Boote ab 2026

Neue Sicherheitspflicht für Camper und Bootsbesitzer

Was bisher lediglich als Empfehlung galt, wird ab dem Jahr 2026 zur verbindlichen Vorschrift: Flüssiggasanlagen in Wohnmobilen, Wohnwagen, Caravans und Booten müssen künftig regelmäßig alle zwei Jahre von einem qualifizierten Sachkundigen überprüft werden. Diese neue Regelung zielt darauf ab, die Sicherheit beim Kochen, Kühlen und Heizen in mobilen Unterkünften deutlich zu erhöhen und potenzielle Unfälle wirksam zu verhindern.

Experte aus Ludwigslust erläutert Prüfverfahren

Björn Hildesheim, ein anerkannter Sachverständiger aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, führt diese wichtigen Sicherheitskontrollen durch. Der 57-jährige Fachmann überprüft dabei sämtliche Halterungen und Lüftungsöffnungen der Flüssiggasanlage sowie die Abzüge im Gaskasten. „Außerdem kontrolliere ich sorgfältig alle Dichtungen und Ventile“, erklärt der gebürtige Ludwigsluster. Zusätzlich unterzieht er alle gasbetriebenen Geräte und die Abgasrohre einem umfassenden Sicherheits- und Funktionstest.

Hildesheim betont mit Nachdruck: „Diese Prüfung ist vollständig unabhängig von der regulären Hauptuntersuchung und muss separat durchgeführt werden.“ Der zeitliche Aufwand bewegt sich in der Regel zwischen 20 und 45 Minuten, während die Kosten zwischen 40 und 80 Euro liegen. Nach erfolgreich bestandener Kontrolle erhält das Fahrzeug eine gelbe Prüfbescheinigung sowie eine gut sichtbare Plakette, die außen am Fahrzeug angebracht werden muss. Für Boote wird stattdessen eine blaue Prüfbescheinigung ausgestellt.

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Polizeikontrollen und Bußgelder bei Versäumnissen

Versäumnisse dieser neuen Prüfpflicht werden mit gestaffelten Bußgeldern geahndet. „Die Polizei kontrolliert die Gasprüfungen aktiv. Aber auch stationäre Mobilheime und Wohneinheiten zum Dauercamping, die nicht bewegt werden, müssen regelmäßig geprüft werden“, betont der Experte, der seine Anlaufstelle mit Lager und Werkstatt im Ludwigsluster Morgenbergweg 8 betreibt.

Hintergrund dieser verschärften Regelung ist die ernstzunehmende Unfallgefahr durch undichte Gasanlagen. Immer wieder gibt es tragische Berichte über Unglücke, bei denen unbemerkt Gas austreten konnte und es im schlimmsten Fall zu verheerenden Explosionen kam. „Keiner möchte, dass ihm die Gasflasche um die Ohren fliegt. Da besteht tatsächlich akute Lebensgefahr“, warnt Hildesheim eindringlich.

Technisches Prüfverfahren und Dokumentation

Um solche Gefahren zu verhindern, schraubt der Sachverständige den Gasregler ab und drückt 150 Millibar in die Leitung. „Bleibt der Zeiger des Manometers nach 15 Minuten stabil, gilt die Anlage als ordnungsgemäß dicht“, erläutert er das standardisierte Verfahren. Anschlussschläuche und Druckminderer dürfen dabei nicht älter als zehn Jahre sein. Alle kontrollierten Geräte und Ergebnisse werden in einem gelben Prüfbescheinigungsheft dokumentiert, das mit Stempel und Unterschrift des Prüfers versehen wird.

Kaufberatung und qualifizierte Prüfstellen

Als anerkannte Sachkundige gelten neben spezialisierten Prüfern wie Hildesheim auch Wohnmobil-Fachhändler und -werkstätten, die Gasprüfungen in Kooperation mit etablierten Prüfstellen wie TÜV, Dekra oder GTÜ anbieten. Voraussetzung ist jedoch eine entsprechende Schulung durch den Deutschen Flüssiggasverband.

Hildesheim rät allen Käufern: „Bei neuen Fahrzeugen muss die Überprüfung zwingend vor der ersten Inbetriebnahme stattfinden. Die benötigten Nachweise sollten beim Kauf mit übergeben werden und möglichst ein Aufkleber der Gasprüfung bereits am Fahrzeug angebracht worden sein.“ Das gleiche gilt übrigens auch bei Wiederinbetriebnahme nach längeren Standzeiten.

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Hintergrund des Experten

Björn Hildesheim betreibt seit Juni 2021 sein eigenes Unternehmen. Zuvor arbeitete der gebürtige Ludwigsluster zwei Jahrzehnte bei der Dekra, wo er auch seine Ausbildung zum KFZ-Sachverständigen und Unfallschadengutachter absolvierte. Ebenso ist er Fachmann für Unfallverhütungsvorschriften. Seine handwerkliche Laufbahn begann er mit einer Lehre als KFZ-Schlosser beim KIW Vorwärts in Schwerin. 1985 baute er zusammen mit seinem Vater Wolfgang-Rainer Hildesheim eine Trabi-Werkstatt auf, aus der später ein traditionsreiches Autohaus hervorging.

Als leidenschaftlicher Oldtimer-Liebhaber bietet er bis heute Ersatzteile und Beratung für DDR-Marken wie Wartburg, Barkas und Trabant an. Seit sechs Jahren ist Hildesheim selbst begeisterter Camper und schätzt die besondere Freiheit, die er dabei zusammen mit seiner Familie erlebt.