Potsdamer Gastronomie in Aufruhr: Verpackungsteuer droht Preisschock
Die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam hat als erste und bisher einzige Kommune im Bundesland eine Steuer auf Einwegverpackungen beschlossen. Dieser Schritt sorgt bei Gastronomen und Handelsvertretern für massive Proteste und deutliche Warnungen vor erheblichen Konsequenzen für Verbraucher und Unternehmen.
Bürokratisches Monster mit finanziellen Folgen
Eine Allianz aus Wirtschaftsverbänden und Unternehmen bezeichnet die geplante Abgabe als "bürokratisches Monster" und lehnt diese vehement ab. Die Vertreter kritisieren, dass viele Betriebe ohnehin bereits in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage stecken und die zusätzliche Belastung kaum tragen können. Selbst eine Klage gegen die Verpackungsteuer schließen die Branchenvertreter nicht aus.
Kristina Harrer-Kouliev vom Bundesverband der Systemgastronomie betont: "Die Steuer bedeutet große finanzielle und bürokratische Belastungen. Die Preise werden teurer, und auch die Beschäftigtensituation wird schwieriger. Die Arbeitsplatzgarantie sehen wir gefährdet." Vor dem Hintergrund globaler Krisen und bisheriger Preissteigerungen könnten die Unternehmen "das bald nicht mehr schultern".
Konkrete Auswirkungen ab Juli geplant
Ab dem 1. Juli 2026 plant die Stadt Potsdam die Einführung der Verpackungsteuer auf Einweggeschirr und Einwegverpackungen - ein Novum in ganz Brandenburg. Das Stadtparlament hatte den Beschluss bereits im März gefasst. Die konkreten Aufschläge sehen 50 Cent pro Einheit für Einwegbecher, Teller oder Schalen vor, während für Besteck 20 Cent fällig werden.
Die Stadt rechnet ab 2027 mit jährlichen Einnahmen von rund einer Million Euro durch die neue Abgabe. Als Vorbild dient die Stadt Tübingen in Baden-Württemberg, wo eine ähnliche Steuer bereits eingeführt wurde. Auch andere Städte wie Freiburg und Konstanz erheben inzwischen vergleichbare Abgaben.
Verbraucher müssen Mehrkosten tragen
Ob bei Fast-Food-Ketten wie McDonald's, in Bahnhofspassagen oder an Imbissständen - die Steuer muss für Essen und Getränke zum Mitnehmen auf die Kunden in Potsdam umgelegt werden. Dies bedeutet konkret: Pommes auf die Hand oder der Kaffee zum Mitnehmen werden in der Landeshauptstadt voraussichtlich deutlich teurer.
Der Handelsverband Berlin-Brandenburg kritisiert scharf: "Hier geht es nur um Mehreinnahmen für die Stadt." Den behaupteten Effekt, dass die Stadt durch die Steuer sauberer werden soll, bezweifeln die Wirtschaftsverbände grundsätzlich.
Praktische Probleme und mangelnde Akzeptanz
Bäcker Tobias Exner berichtet aus der Praxis: "Mehrwegbecher für Kaffee werden kaum abgenommen. Der Kunde möchte das nicht." Seine Frau Kathleen Exner ergänzt die Sorge, dass der Unmut der Bürger wegen gestiegener Preise letztlich bei den Verkäufern landen könnte.
Die technischen und organisatorischen Herausforderungen sind erheblich: Nach Angaben der Branchenvertreter müssen Kassensysteme verändert und Personal geschult werden, um die neue Steuer korrekt abzurechnen. Zudem kritisieren Vertreter der lokalen Wirtschaft, dass sie in die Planungen nicht eingebunden worden seien.
Appell an die Stadtverwaltung
Der Verband der Systemgastronomie appelliert an die Stadt Potsdam, mit der Wirtschaft an einen runden Tisch zu kommen, um über Alternativen zur Verpackungsteuer zu beraten. Die Branche sucht nach praktikablen Lösungen, die sowohl Umweltbelange berücksichtigen als auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Unternehmen gewährleisten.
Die Debatte um die Potsdamer Verpackungsteuer zeigt deutlich den Konflikt zwischen kommunalen Umweltschutzbestrebungen und den wirtschaftlichen Realitäten der Gastronomie- und Handelsbranche. Während die Stadt auf zusätzliche Einnahmen und eine sauberere Umwelt hofft, fürchten die Betriebe um ihre Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze.



