SPD in Brandenburg setzt auf digitale Themen für junge Generation
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) in Brandenburg intensiviert ihre Bemühungen, jüngere Wählerinnen und Wähler zu erreichen. Nach dem Beginn der Koalition mit der CDU im März 2026 und angesichts der nächsten Landtagswahl 2029 hat die Partei eine neue strategische Ausrichtung beschlossen. Diese konzentriert sich nicht nur auf soziale Medien, sondern insbesondere auf Themen, die die Jugend bewegen.
Zwei neue Sprecher für Games und E-Sports
Die SPD-Landtagsfraktion hat mit Annemarie Wolff eine Sprecherin für Games und mit Lars Katzmarek einen Sprecher für E-Sports ernannt. Generalsekretär Kurt Fischer betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Entscheidend ist, dass wir als SPD in Brandenburg sichtbar junge Themen vertreten und dies mit glaubwürdigen und überzeugenden Gesichtern verbinden.“ Beide Abgeordnete bringen langjährige persönliche Erfahrungen mit digitalen Medien mit.
Digitale Räume als Lebensrealität
Annemarie Wolff, die aus Ludwigsfelde stammt und seit ihrer Kindheit „sehr computeraffin“ ist, erklärte: „Die digitalen Räume sind schon ganz lange Lebensrealität von jungen Menschen. Wir müssen als Politikerinnen und Politiker endlich verstehen, dass die Leute nicht zu uns kommen, sondern dass wir zu den Menschen gehen.“ Die 35-Jährige sieht in Games und E-Sports eine Chance, politische Aufmerksamkeit auf gesundheitsfördernde Standards, Prävention und Diversität zu lenken.
Statt auf Verbote setzt Wolff auf Aufklärung und Beteiligung, auch angesichts von Radikalisierungstendenzen im Netz: „Risiken werden ernst genommen, aber sie sind kein Argument für Rückzug, sondern für kluge Präsenz.“
Von Lan-Partys zur politischen Initiative
Ihr Fraktionskollege Lars Katzmarek aus Cottbus, der auch als Rapper aktiv ist, berichtete von seinen eigenen Erfahrungen: „Ich bin früher auf Lan-Partys gegangen, wir haben uns auf Dachböden gesetzt, uns im Keller eingeschlossen, wie man das halt so gemacht hat zu der Zeit.“ Aus diesen persönlichen Hintergründen entstand in der SPD-Fraktion die Idee, sich stärker mit Gaming und E-Sports zu beschäftigen.
Games als Massenphänomen
Die Bedeutung des Themas unterstreichen Zahlen der Stiftung Digitale Spielkultur: In Deutschland spielen 37,5 Millionen Menschen Games, wobei das Durchschnittsalter bei fast 40 Jahren liegt. Nandita Wegehaupt, Geschäftsführerin der Stiftung, betonte im Bildungsausschuss des Landtags, dass Games nicht nur bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind.
Die SPD-Fraktion organisiert für die Gamescom im August in Köln eine Delegation aus Brandenburg, um dort Gespräche zu führen. Wolff erklärte: „Gaming ist für viele der erste Zugang zu digitaler Teilhabe, E-Sport die organisierte Spitze davon.“
Talentsuche und Sportdefinition
Für den Brawl Cup, eine E-Sports-Meisterschaft in Berlin vom 15. bis 17. Mai, sieht Wolff Potenzial für Brandenburg: „Für Brandenburg könnte man sich durchaus vorstellen, dass wir gucken, ob wir nicht Talente hier vor Ort haben, die wir pushen können.“ Katzmarek räumte mit Vorurteilen auf: „Wenn man E-Sport sagt und mit einem klassischen Sportler darüber redet, hört man oft irgendwie: Ist ja gar kein Sport. Es hat aber sehr wohl was damit zu tun.“ Er verwies auf professionelle Betreuung durch Trainer, Psychologen und Physiotherapeuten.
Wissenschaftliche Bestätigung der Strategie
Der Potsdamer Politikwissenschaftler Jan-Philipp Thomeczek hält die SPD-Strategie für „wirklich sinnvoll“. Er erklärte: „Die Erstwähler gehen recht häufig wählen, dann sinkt die Wahlbeteiligung in den Altersgruppen ab, steigt erst so ab den 30ern wieder. Das heißt, dass man bei den Jüngsten noch mehr mobilisieren kann.“ Wichtig sei es, Themen der jungen Generation anzusprechen.
Wahlkampf und Vertrauensgewinn
Bei der Landtagswahl 2024 lag die AfD bei den 16- bis 24-Jährigen mit 31 Prozent vor der SPD mit 19 Prozent. Die Jusos kritisierten zu Beginn der SPD/CDU-Koalition fehlende Projekte für junge Menschen. Generalsekretär Fischer betonte: „Es muss um den Fokus auf die Interessen und die analoge sowie digitale Lebensrealität junger Menschen in unserem Land gehen - im Speckgürtel genauso wie im ländlichen Raum.“ Im Schulterschluss mit den Jusos wolle man „mit harter Überzeugungsarbeit Stück für Stück Vertrauen zurückgewinnen“.



