Abschied von einem Straßenklassiker: Rostock demontiert Litfaßsäulen
Die Litfaßsäule: groß, rund und oft mit Plakaten zugekleistert, gilt als echter Klassiker im deutschen Stadtbild. Auch in der Hansestadt Rostock prägten diese markanten Werbeträger lange Zeit viele Straßenecken. Doch nun wird diese Tradition deutlich schrumpfen. Bereits jetzt liegen erste demontierte Säulen auf Anhängern bereit für den Abtransport. Ein Stück Alltagskultur verschwindet damit schrittweise aus dem öffentlichen Raum.
Neue Konzessionen führen zum großflächigen Abbau
Derzeit werden Dutzende der berühmten Litfaßsäulen im gesamten Rostocker Stadtgebiet abgebaut. Dieser tiefgreifende Eingriff in das Stadtbild erfolgt, weil die Stadt Ende März 2026 die Rechte für die Außenwerbung nach vielen Jahrzehnten komplett neu vergeben hat. Interessanterweise bleiben die beiden Unternehmen Wall und Ströer auch in Zukunft für die kommerzielle Werbung in Rostock verantwortlich. Dennoch führt diese Neuausrichtung zu einer spürbaren Reduzierung der Säulenanzahl.
Laut offiziellen Angaben der Stadtverwaltung existierten bisher insgesamt 146 Litfaßsäulen als aktive Werbeträger. Davon werden in den kommenden Jahren nur noch ungefähr 100 Exemplare erhalten bleiben. Stadtsprecher Ulrich Kunze erläutert, dass im Zuge der Ausschreibung „alle Werbeträgerstandorte“ einer gründlichen Überprüfung unterzogen wurden. Als Hauptgründe für den umfangreichen Abbau nennt er:
- Veränderte Verkehrsführungen und Straßenplanungen
- Baurechtliche Bestimmungen und Auflagen
- Spezifische Wünsche des Konzessionsnehmers Ströer Media Deutschland GmbH
Konkrete Zahlen und denkmalgeschützte Ausnahme
Von den insgesamt 46 Werbeträgern, die nun aus dem Stadtbild verschwinden, wurden 29 Stück nicht mehr durch die Stadt Rostock ausgeschrieben. Die restlichen Säulen entfallen auf die Entscheidung des Konzessionärs. Das Rathaus hatte diese Verringerung der Werbeträger bereits im Vorfeld der Vergabe angekündigt. Die neue Planung sieht nun etwa 30 Prozent weniger Anlagen vor, was einer Gesamtzahl von 791 Werbeflächen entspricht.
Auf der anderen Seite könnte eine bestimmte Litfaßsäule sogar dauerhaft erhalten bleiben. Denn das Exemplar in der Gerhart-Hauptmann-Straße an der Ecke zur Herderstraße steht bereits auf der offiziellen Denkmalliste der Stadt Rostock. Damit wäre sie ein geschütztes Zeugnis der Werbegeschichte.
Historischer Hintergrund der Litfaßsäule
Die Litfaßsäule wurde ursprünglich vom Berliner Drucker und Verleger Ernst Litfaß erfunden. Die erste behördliche Genehmigung für das Aufstellen dieser charakteristischen Säulen erhielt er am 5. Dezember 1854 in Berlin. Von der Hauptstadt aus verbreitete sich diese innovative Werbeform rasch in der gesamten Republik. Bis heute sind Litfaßsäulen in vielen deutschen Städten präsent, auch wenn ihre Anzahl nun in Rostock und möglicherweise anderen Kommunen zurückgeht. Sie bleiben damit ein faszinierendes Stück lebendiger Kultur- und Wirtschaftsgeschichte.



