Offener Brief an Berlins Bürgermeister: Martenstein übt scharfe Kritik
In seiner täglichen Kolumne für BILD hat Harald Martenstein einen offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner veröffentlicht. Der 72-jährige Journalist nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und kritisiert das Verhalten Wegners während der jüngsten Stromausfälle in der Hauptstadt scharf.
Erste Chance vertan, zweite verpasst
Martenstein erinnert daran, dass nach dem ersten großen Stromausfall, der rund 100.000 Haushalte betraf, Bürgermeister Wegner zunächst abgetaucht sei. Statt sich der Krise zu stellen, habe er Tennis gespielt – angeblich während er Dauertelefonate führte, deren Gesprächspartner jedoch unklar blieben.
„Wie oft bekommt man im Leben eine zweite Chance, nachdem etwas daneben gegangen ist?“, fragt Martenstein rhetorisch. Diese zweite Chance bot sich am vergangenen Samstag, als erneut der Strom ausfiel, diesmal in etwa 1.300 Haushalten.
Giffey reagiert, Wegner bleibt unsichtbar
Während Martenstein auf die Nachricht vom erneuten Stromausfall hoffte, dass nun „Kai, der Kümmerer“ erscheinen würde, blieb der Bürgermeister erneut unsichtbar. Stattdessen meldete sich Franziska Giffey, Wegners Vorgängerin von der SPD und aktuelle Wirtschaftssenatorin, zeitnah im Netz zu Wort.
Giffey betonte, sie habe „am Schreibtisch“ vom Stromausfall erfahren und „sofort“ reagiert. Man sei „intensiv dran“ gewesen, und noch vor Mitternacht gingen die Lichter wieder an. Martenstein kommentiert trocken: „Immer am Schreibtisch, die Frau! Kein Wunder, dass die SPD sie nicht aufgestellt hat – die SPD ist gegen zu viel Ehrgeiz im Job.“
Problematische Stromversorgung in Berlin
Der Kolumnist macht deutlich, dass die Stromversorgung in Berlin weiterhin problematisch bleibt. „Die Stromversorgung ist in Deutschland ja so problematisch wie in Teheran das Freibier“, schreibt er mit beißendem Sarkasmus. Er prophezeit weitere Stromausfälle in naher Zukunft.
Abschließend richtet Martenstein mahnende Worte an den Bürgermeister: „Ihre Stunde wird kommen. Herr Bürgermeister.“ Der offene Brief endet mit der formalen Grußformel „Hochachtungsvoll Ihr Harald Martenstein“.
Die Kolumne zeigt einmal mehr Martensteins charakteristischen Stil: scharfe Beobachtung gesellschaftlicher und politischer Missstände, kombiniert mit trockenem Humor und präziser Formulierung. Sie wirft Fragen nach der Handlungsfähigkeit der Berliner Stadtregierung in Krisensituationen auf.



