Europäisches Spargelmuseum: Ein ganzes Haus für das weiße Gold Bayerns
Ein komplettes Museum nur für ein einziges Gemüse? Diese ungewöhnliche Institution existiert tatsächlich und feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. In der bayerischen Stadt Schrobenhausen, die seit Generationen als Spargelhochburg gilt, widmet sich das Europäische Spargelmuseum auf zwei Etagen ausschließlich der Kulturgeschichte der weißen Stangen.
Vom Gefängnisturm zum Museumstempel
Das Museum befindet sich in einem historischen Turm der Stadtmauer, der früher als Gefängnis und Amtsstube diente. Seit 1993 beherbergt das markante Gebäude eine der ungewöhnlichsten Sammlungen Deutschlands. Schrobenhausen blickt auf eine lange Spargeltradition zurück – bereits seit 1913 wird hier großflächig Spargel angebaut, und schon im 19. Jahrhundert lieferte die Region das edle Gemüse an den Münchner Hof.
Vielseitige Geschichte eines Edelgemüses
Im Erdgeschoss des Museums dokumentiert die Ausstellung die erstaunliche Vielseitigkeit des Spargels durch die Jahrhunderte. Alte Kräuterbücher und historische Kupferstiche belegen seine Bedeutung in der Medizin und Forschung. Besucher erhalten hier einen umfassenden Einblick in Geschichte, Botanik, Anbau, Kunst und Kuriositäten rund um das Gemüse.
Historische Werkzeuge aus verschiedenen Epochen veranschaulichen den aufwendigen Anbau und die mühevolle Ernte, die teilweise bis heute praktiziert werden. Ein kurzer Dokumentarfilm ergänzt die Ausstellung mit Informationen zu Herkunft und kultureller Bedeutung des Spargels.
Kulinarische Schätze und rare Sammlerstücke
Das Obergeschoss des Museums widmet sich ganz der kulinarischen und kulturellen Seite des Spargels. Hier finden Besucher eine beeindruckende Sammlung von Kochbüchern, historischen Rezepten und speziellem Geschirr. Zu den absoluten Highlights gehören zwei weltweit einzigartige Exponate:
- Eine Spargeldeckeldose aus Meissner Porzellan, von der nur noch zwei Exemplare existieren
- Eine aufwendig gearbeitete Spargelzange aus dem Jahr 1890, gefertigt vom berühmten russischen Hofjuwelier Carl Peter Fabergé
Hinzu kommen zahlreiche bemalte Teller mit kunstvollen Spargelmotiven, die die kulturelle Wertschätzung des Gemüses dokumentieren.
Anerkennung und lebendige Tradition
Bereits kurz nach seiner Eröffnung erhielt das Europäische Spargelmuseum eine besondere Auszeichnung: Der Europarat ernannte es zu einem der zehn besten Spezialmuseen Europas. Weitere Preise folgten, darunter die Ehrung als „Ort im Land der Ideen“ durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.
Museumsleiterin Claudia Freitag-Mair berichtet von regem Besucherinteresse, besonders während der Spargelsaison. Viele Gäste verbinden ihren Museumsbesuch mit Einkäufen auf regionalen Höfen und einem traditionellen Spargelessen in Schrobenhausen. Die Stadt profitiert damit bis heute von ihrer langen Tradition als Spargelzentrum.
Das Europäische Spargelmuseum hat sich zu einem festen Bestandteil dieses kulturellen Erbes entwickelt und zeigt eindrucksvoll, wie viel Geschichte und Kultur in einem einzigen Gemüse stecken können. Es bewahrt nicht nur historische Objekte, sondern hält auch die lebendige Tradition des Spargelanbaus in der Region lebendig.



