Dramatische Bilanz: 135 Lawinentote in Europa diesen Winter
Die europäischen Gebirge haben in der vergangenen Wintersaison eine traurige Bilanz zu verzeichnen. Laut den European Avalanche Warning Services (EAWS), einem Zusammenschluss nationaler Warndienste, starben seit Oktober mindestens 135 Menschen durch Lawinen. Dies stellt einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorwinter dar, als es 70 Todesopfer gab. Zuletzt wurden in der Saison 2017/18 mit 147 Toten noch höhere Zahlen registriert.
Italien als Schwerpunkt der Tragödien
Besonders schwer traf es Italien, wo 38 Menschen ihr Leben verloren. Viele dieser Unglücke ereigneten sich in Südtirol, einer bei deutschen Alpinsportlern beliebten Region. Das folgenschwerste Einzelereignis war der Tod von fünf Bergsteigern aus Bayern Anfang November an der Vertainspitze im Ortler-Gebirge. In anderen Ländern wurden 31 Tote in Frankreich, 30 in Österreich und 15 in der Schweiz gezählt. In Deutschland gab es glücklicherweise keine Lawinentoten. Die Statistik berücksichtigt auch Vorfälle außerhalb der Alpen, etwa im Apennin oder in den Karpaten.
Klimakrise und veränderte Freizeitgewohnheiten als Ursachen
Experten machen die Klimakrise für den Anstieg der Todesfälle verantwortlich. Höhere Temperaturen führen zu instabileren Schneeverhältnissen, da Altschnee und Neuschnee sich schlechter verbinden. Zusätzlich begünstigen stärkere Winde die Bildung von gefährlichem Treibschnee. Gleichzeitig werden Skitouren und Abfahrten abseits präparierter Pisten immer beliebter, was das Risiko in hochalpinem Gelände erhöht. Die Warndienste mahnen daher zu größter Vorsicht, insbesondere an Steilhängen.
Osterunglücke und lebensrettende Ausrüstung
Auch über die Ostertage kam es zu weiteren Vorfällen. In Südtirol wurde ein 37-jähriger Tourengeher an der Grabspitze von einer Lawine erfasst und musste trotz schneller Rettung per Ortungssender in kritischem Zustand ins Krankenhaus geflogen werden. Bergwacht und Alpenvereine betonen die Wichtigkeit von Sicherheitsausrüstung wie Schaufel, Sonde und Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät). Studien zeigen, dass 90 Prozent der Verschütteten innerhalb der ersten zehn Minuten noch lebend gerettet werden können, danach sinkt die Überlebenschance rapide.
Die Skisaison in vielen europäischen Gebieten endete nach Ostern, doch in höheren Lagen und auf Gletschern sind Abfahrten oft noch bis Anfang Mai oder sogar im Sommer möglich. Diese verlängerte Aktivitätsphase unterstreicht die Notwendigkeit erhöhter Wachsamkeit und angemessener Vorbereitung für alle Bergsportler.



