Illegale Zigaretten: Deutsche rauchen fast 2 Milliarden Stück jährlich
Illegale Zigaretten: Deutsche rauchen fast 2 Milliarden

Deutschlands Raucher greifen immer häufiger zu gefälschten oder geschmuggelten Zigaretten. Laut einer KPMG-Studie im Auftrag von Philip Morris International (PMI) wurden im vergangenen Jahr schätzungsweise 1,9 Milliarden illegale Zigaretten konsumiert. Das sind 0,2 Milliarden mehr als 2024 und 0,3 Milliarden mehr als 2023. Der Schwarzmarktanteil am gesamten Zigarettenmarkt stieg von 2,2 auf 2,5 Prozent.

Studie untersucht leere Packungen aus Mülleimern

Für die Studie wurden rund 100.000 leere Zigarettenpackungen aus Mülleimern und Entsorgungsanlagen gesammelt und auf Steuerzeichen und Echtheit geprüft. Illegale Ware wird oft in Hinterhöfen oder hinter Ladentheken angeboten. In EU-Nachbarländern wie den Niederlanden, Belgien und Frankreich ist der illegale Anteil deutlich höher. Teilweise stammen die gefälschten Kippen aus illegalen Fabriken in Deutschland. Zoll und Polizei gehen immer wieder gegen solche Anlagen vor, können den Schwarzmarkt aber nicht austrocknen.

Europaweit 55,3 Milliarden illegale Zigaretten verkauft

Die Studienautoren schätzen, dass in Europa im vergangenen Jahr 55,3 Milliarden gefälschte oder geschmuggelte Zigaretten verkauft wurden – ein Anstieg um 5,9 Prozent gegenüber 2024. Europaweit wurden mehr als 100 illegale Fabriken ausgehoben. Deutschland gewinne für kriminelle Strukturen an Bedeutung und werde vom Transitland zum Produktionsland, sagt Philip-Morris-Experte Tammo Körner. Thomas Liebel von der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ bestätigt: Der illegale Tabakmarkt werde professioneller und schwieriger kontrollierbar.

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Frankreich ist Hochburg des Kippen-Schwarzmarktes

In Frankreich beträgt der Anteil illegaler Zigaretten 41,4 Prozent – das sind 20,5 Milliarden Stück, 1,8 Milliarden mehr als 2024. Die Preise sind dort etwa zwei Drittel höher als in Deutschland. Laut Deutschem Zigarettenverband lag der Durchschnittspreis für eine 20er-Packung 2024 bei 7,33 Euro in Deutschland und 12,07 Euro in Frankreich. Auch Belgien ist stark betroffen: Dort wurden 2,1 Milliarden illegale Kippen verkauft – mehr als in Deutschland, obwohl Belgien siebenmal weniger Einwohner hat. Die entgangenen Steuereinnahmen in Belgien betragen knapp eine Milliarde Euro, in Deutschland rund 0,5 Milliarden Euro.

Tabakwirtschaft warnt vor Steuererhöhungen

Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft (BVTE) warnt vor steuerbedingten Preisschocks. „Je höher die Besteuerung, desto größer die Gewinne für die organisierte Kriminalität und die Steuerausfälle“, sagt er. Die Bundesregierung hatte erwogen, die Tabaksteuer deutlich anzuheben. Mücke befürchtet ein Konjunkturprogramm für den Schwarzmarkt. Krebsforscherin Katrin Schaller vom DKFZ widerspricht: „Tabaksteuererhöhungen sind die wirksamste Maßnahme, um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten und Raucher zum Aufhören zu motivieren.“ Sie verweist auf reduzierte Folgeerkrankungen und hohe gesellschaftliche Kosten.

Nikotinbeutel: Neues Geschäft für Kriminelle

Erstmals untersuchte die Studie auch Nikotinbeutel – tabakfreie Beutel, die Nikotin abgeben. In Deutschland ist ihr Verkauf verboten, in einigen EU-Staaten erlaubt. Testkäufer wurden in jedem sechsten Geschäft fündig, obwohl die Produkte dort nicht sein dürfen. Ein Drittel der Testkäufe waren gefälschte Produkte. Philip Morris und andere Anbieter fordern eine Legalisierung, um den Schwarzmarkt zurückzudrängen. Körner betont, dass illegale Produkte keinen Qualitätsstandards unterlägen und den Jugendschutz untergrüben. Schaller sieht die Produkte kritisch: Nikotin mache abhängig und berge Gesundheitsrisiken. Die bunten Verpackungen erinnerten an Bonbons und seien bei Jugendlichen beliebt. Nikotin könne die Hirnreifung beeinträchtigen. Die Produkte seien nicht ausreichend erforscht.

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