New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat große Pläne für die Millionenmetropole. Der 34-Jährige will die Stadt gerechter machen, doch seine ehrgeizigen Reformen treffen auf harten Widerstand. Kann er seine Vision umsetzen?
Mamdani: Ein Social-Media-Profi mit klarer Botschaft
Zohran Kwame Mamdani versteht es, sich in Szene zu setzen. Bei einem Besuch in einer New Yorker Kita mit Ex-US-Präsident Barack Obama fragte dieser die Kinder nach Mamdanis Namen. „Mamdani!“, riefen sie. „Und mit Vornamen?“, fragte Obama. „Mayor!“ (Bürgermeister). Gemeinsam sangen sie das Kinderlied „Die Räder vom Bus“. Das Video wurde auf Instagram fast 400.000 Mal geliked. Mamdani nutzt solche Momente geschickt, um Sympathie zu sammeln und gleichzeitig seine politischen Botschaften zu verbreiten.
Steuerpläne: „Tax the rich“ als Wahlkampfschlachtruf
Seit Januar lenkt Mamdani die Geschäfte der 8,6-Millionen-Einwohner-Stadt. Er ist der erste bekennende demokratische Sozialist und Muslim im New Yorker Rathaus. Sein Wahlkampf stand unter dem Motto „Tax the rich“ (Besteuert die Reichen). Seine Idee: Höhere Abgaben für die Finanzelite sollen allen zugutekommen. „Das wäre dringend notwendig“, sagt ein New Yorker Investor aus Brooklyn. „Es ist laut, es ist dreckig, nichts funktioniert.“ Viele Eltern schickten ihre Kinder aus Verzweiflung über die öffentlichen Schulen auf Privatschulen, für mindestens 50.000 Dollar im Jahr.
Sozialprogramme: Mietendeckel, kostenlose Busse und Kitas
Mamdani verspricht, New York wieder bezahlbar zu machen. Er plant einen strikten Mietendeckel, vergünstigte Nahverkehrstarife und die Einführung kostenloser Busse, um Menschen mit niedrigen Einkommen zu entlasten. Familien sollen von dauerhaft kostenlosen Kita-Plätzen profitieren. Zur Finanzierung will Mamdani Spitzenverdiener und Großkonzerne stärker besteuern. Kürzlich kündigte er eine Zweitwohnsitzsteuer für Luxusimmobilien über fünf Millionen Dollar an, die jährlich 500 Millionen Dollar in die Stadtkasse spülen soll. Vor dem Haus des Milliardärs Ken Griffin, das für rund 238 Millionen Dollar gekauft wurde, erklärte er: „Ich sagte, wir würden die Reichen besteuern. Und heute machen wir das.“
Widerstand von der Wall Street
Die Wall Street läuft Sturm gegen die Pläne. Jamie Dimon, CEO von JPMorganChase, warnte in einem Aktionärsbrief vor Abwanderung von Unternehmen aufgrund der Steuererhöhungen. New York habe bereits sehr hohe Firmensteuern. Allerdings beschäftigt JPMorganChase heute mehr Angestellte in Texas als in New York. Mamdani sucht den Dialog: Er traf sich mit Dimon und Goldman-Sachs-CEO David M. Solomon. Eine Sprecherin betonte, der Bürgermeister sei sich der entscheidenden Rolle der Wirtschaft bewusst. Dennoch wird Mamdani nicht von seinem sozialistischen Profil abrücken.
Nahverkehr: Gratis-Busse als Zankapfel
Besonders umstritten ist Mamdanis Vorhaben, kostenlose Busse einzuführen. Vor eineinhalb Jahren führte die Stadt unter Bürgermeister Eric Adams eine City-Maut ein, die neun Dollar in Hauptverkehrszeiten kostet. Das Geld soll in die Modernisierung des Nahverkehrs fließen, der dringend nötig ist: Nur ein Viertel der U-Bahn-Stationen ist barrierefrei, Stellwerke stammen aus den 1930er-Jahren, U-Bahnen aus den 1970ern sind noch im Einsatz. Mamdani will die Busse über die Maut finanzieren, was den Nahverkehrsbetrieben der MTA jedoch Milliarden entziehen würde.
Expertenzweifel an Umsetzung
Steven Cohen, Professor an der Columbia University, hält Mamdanis Gratis-Bus-Pläne für Augenwischerei. „Die MTA untersteht der Kontrolle des Staates, daher war dieser Vorschlag ein Wahlversprechen, das niemals umgesetzt werden wird“, sagte er. Er erwartet, dass Mamdani stattdessen ein bestehendes Rabattprogramm für einkommensschwache Menschen und Rentner bekannter macht. Allerdings hat der Bürgermeister Einfluss auf Gouverneurin Kathy Hochul, da er ihre Wiederwahl unterstützen kann. Bisher nutzte er dies für den Ausbau kostenloser Kita-Plätze, die höhere Priorität haben.
Gemischte Reaktionen in der Bevölkerung
In einem Fahrradladen in der 49. Straße äußert eine Geschäftspartnerin Bedenken: „Er hat all diese Ideen, aber er weiß nicht, woher das Geld dafür kommen soll.“ Sie befürchtet, dass nicht nur die Reichen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen zur Kasse gebeten werden. Nach 100 Tagen im Amt zeigten sich 48 Prozent der New Yorker mit Mamdanis Arbeit zufrieden, 30 Prozent lehnten sie ab. Das sind keine klassischen Flitterwochen, da Republikaner ihn kategorisch ablehnen. Unter jüngeren und progressiveren Menschen genießt er überdurchschnittliche Zustimmung. Immerhin sind 56 Prozent der Ansicht, dass sich die Stadt in die richtige Richtung entwickelt – ein deutlicher Anstieg unter den Vorgängern.



