Die Bauarbeiten für die umstrittene Küstenautobahn A20 haben begonnen. In Wiefelstede bei Oldenburg erfolgte am Montag der symbolische Spatenstich durch Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), nur wenige Tage nach einem ähnlichen Akt in Bad Segeberg. Das Projekt gilt als das wichtigste Infrastrukturvorhaben Norddeutschlands, stößt jedoch auf massive Kritik von Umweltverbänden und Experten.
Klimaschutz versus Autobahnbau
Die geplanten Abschnitte führen über Moor- und Marschlandböden, die enorme Mengen Kohlenstoff speichern. Durch die Entwässerung für den Bau drohen diese Moore zu CO₂-Quellen zu werden. Zudem werden wertvolle Lebensräume zerstört und Ökosysteme zerschnitten. Ein Vorfall aus dem Jahr 2017 in Vorpommern zeigt die technischen Risiken: Dort sackte ein Abschnitt der A20 nach nur zwölf Jahren ab und die Fahrbahn brach auf über hundert Metern weg.
Milliardengrab A20
Allein das zehn Kilometer lange Teilstück bei Bad Segeberg soll 550 Millionen Euro kosten. Insgesamt sind über fünf Milliarden Euro für den Neubau von rund 200 Kilometern veranschlagt – inklusive eines neuen Elbtunnels dürfte die Summe noch höher liegen. Gleichzeitig klafft im Bundeshaushalt ein Milliardenloch, und der Sanierungsstau bei Brücken und Straßen wächst. Der Bundesrechnungshof empfiehlt, Neubauten vorübergehend zurückzustellen, um die vorhandene Infrastruktur zu reparieren.
Induzierter Verkehr und verfehlte Klimaziele
Verkehrsforscher warnen vor dem sogenannten induzierten Verkehr: Neue Straßen erzeugen zusätzlichen Verkehr, anstatt Staus zu vermeiden. Die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor steigen weiter, und der Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung hält die Klimaziele bis 2030 für unerreichbar. Elektroautos können die Bilanz zwar verbessern, doch ihr Anteil liegt noch unter fünf Prozent. Auch beim Güterverkehr wäre die Schiene die umweltfreundlichere Alternative, wie es im Koalitionsvertrag heißt.
Historische Wurzeln
Die Idee einer Ostseeautobahn stammt aus den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten. Nach der Wiedervereinigung wurde sie als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit wiederbelebt. In Zeiten der Klimakrise und knapper Kassen ist der Neubau jedoch kaum noch zu rechtfertigen.
Die Bundesregierung steht vor der Herausforderung, Mobilitätswende und Haushaltsdisziplin zu vereinbaren. Statt neuer Autobahnen fordern Kritiker Investitionen in Schiene und Radverkehr sowie die Sanierung bestehender Straßen.



