Kommentar: Wo der Hammer hängt – und wann die FDP nach Christian Lindner ruft
Die Liberalen waren stark, wenn sie wirtschaftliche Vernunft, einen klaren Blick auf Migration und Bildungschancen vertreten haben. Die Anbiederung an den linken Zeitgeist gehörte nicht dazu. Ein Kommentar von Thomas Sigmund.
Gute Laune zum bösen Spiel: Wolfgang Kubicki, neu gewählter FDP-Chef, nimmt die Gratulation von Marie-Agnes Strack-Zimmermann entgegen. Foto: Michael Kappeler/dpa
Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist für die FDP das, was Bärbel Bas für die SPD ist. Eine prominente Politikerin aus dem eigenen Lager, die lieber opponiert, als Geschlossenheit zu ermöglichen. Sie verkörpert den Drang, die Partei in eine Richtung zu ziehen, die mit ihrem eigentlichen Markenkern immer weniger zu tun hat. Genau deshalb ist die Auseinandersetzung mit dem neuen FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki kein bloßer Führungsstreit, sondern ein offener Kampf um die Seele der Liberalen.
Strack-Zimmermann steht für eine FDP, die sich an progressiven politischen Kräften wie der niederländischen Partei D66 oder den österreichischen Neos orientieren möchte. Klimapolitisch ehrgeizig und staatspolitisch modernisiert. Das mag im Hauptstadtbetrieb Beifall erzeugen. Es ist aber nicht das Profil, mit dem die FDP groß geworden ist. Die Liberalen waren dann unter den Parteivorsitzenden Guido Westerwelle und Christian Lindner stark, wenn sie wirtschaftliche Vernunft, Aufstieg durch Bildung und einen nüchternen Blick auf Migration vertreten haben. Eben nicht, wenn sie sich dem linken Zeitgeist anbiederten.
Der neue Vorsitzende Kubicki steht nun vor der Aufgabe, die Partei wieder auf diesen Kurs zu bringen. Die Frage ist, ob ihm das gelingt oder ob der interne Flügelkampf die FDP weiter schwächt. Die Wähler erwarten klare liberale Positionen, nicht das Abklatschen linker Ideen. Die Zeit drängt, denn die nächsten Wahlen kommen bestimmt. Es wird sich zeigen, ob die FDP ihre Identität bewahrt oder im politischen Mainstream untergeht.



