Der Hindenburgdamm, der die Insel Sylt mit dem Festland verbindet, heißt nun offiziell Syltdamm. Die Umbenennung erfolgte nach jahrzehntelangen Debatten über die historische Belastung des Namensgebers Paul von Hindenburg. Der ehemalige Reichspräsident wird von Historikern als Kriegsverbrecher und Demokratiezerstörer eingestuft.
Hintergrund der Umbenennung
Die Entscheidung fiel im Gemeinderat von Sylt mit breiter Mehrheit. Bürgermeister Nikolas Häckel betonte, dass der neue Name die Identität der Insel widerspiegele. Der Damm wurde 1927 eröffnet und trug seither den Namen Hindenburgs, der 1934 starb. Kritiker verwiesen auf Hindenburgs Rolle bei der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und seine Unterschrift unter die Reichstagsbrandverordnung, die die Grundlage für die NS-Diktatur legte.
Parallelen zu Berlin
In Berlin-Lichterfelde gibt es ebenfalls einen Hindenburgdamm. Auch dort fordern Initiativen eine Umbenennung. Der Berliner Senat prüft derzeit eine Neubenennung, ähnlich wie in Hamburg, wo die Hindenburgstraße bereits im vergangenen Jahr in Traute-Lafrenz-Straße umbenannt wurde. Lafrenz war Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose und überlebte die NS-Zeit nur knapp.
Reaktionen auf Sylt
Die Umbenennung stieß auf Sylt auf gemischte Reaktionen. Während viele Einwohner und Touristen den Schritt begrüßen, gibt es auch Kritik von konservativen Kreisen. Einige Anwohner befürchten hohe Kosten für die Änderung von Straßenschildern und Adressen. Die Gemeinde verspricht jedoch, die Kosten gering zu halten und die Umstellung schrittweise durchzuführen.
Historische Einordnung
Paul von Hindenburg war von 1925 bis 1934 Reichspräsident. Er ernannte Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler und ebnete damit den Weg zur nationalsozialistischen Diktatur. Zudem unterzeichnete er die Reichstagsbrandverordnung, die Grundrechte außer Kraft setzte. Im Ersten Weltkrieg war er als General verantwortlich für die Schlacht bei Tannenberg, die jedoch auch mit hohen Verlusten verbunden war.
Die Umbenennung auf Sylt ist Teil einer bundesweiten Debatte über den Umgang mit historisch belasteten Straßennamen. Immer mehr Städte und Gemeinden entscheiden sich für eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Namensgebung.



