Klaus Wowereit, der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, hat vor 25 Jahren mit seinem legendären Satz „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ Geschichte geschrieben. Es war das erste Coming-out eines Spitzenpolitikers in Deutschland. Der Ausspruch wurde zum geflügelten Wort. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht Wowereit über die Hintergründe, die Reaktionen und die heutige Bedeutung.
Die Entstehung des Satzes
Wowereit erinnert sich, dass der Satz nicht geplant war. „Ich wollte einfach Klarheit schaffen und zeigen, dass Homosexualität nichts ist, wofür man sich schämen muss“, sagt er. Der Satz sei aus dem Moment heraus entstanden und habe eine Eigendynamik entwickelt. „Viele Menschen haben mir danach geschrieben, dass ihnen der Satz Mut gemacht hat.“
Reaktionen und Folgen
Die Reaktionen auf sein Coming-out waren überwiegend positiv. „Natürlich gab es auch negative Stimmen, aber die waren in der Minderheit“, so Wowereit. Er habe damals nicht erwartet, dass der Satz so bekannt werden würde. „Es war ein wichtiger Schritt für die Akzeptanz von Homosexualität in der Politik.“
Rücktritt und neue Bedrohungen
Wowereit spricht auch über die Umstände seines Rücktritts als Regierender Bürgermeister im Jahr 2014. „Es gab verschiedene Faktoren, aber ich bin froh, dass ich den Zeitpunkt selbst bestimmen konnte.“ Zudem warnt er vor neuen Bedrohungen für die LGBTQ+-Gemeinschaft. „Rechtspopulistische Bewegungen und autoritäre Regime versuchen, die errungenen Freiheiten wieder einzuschränken. Wir müssen wachsam bleiben.“
Bedeutung für die heutige Zeit
Auch 25 Jahre später ist der Satz aktuell. „Er erinnert daran, dass es immer noch Menschen gibt, die sich outen müssen und dass Toleranz keine Selbstverständlichkeit ist“, betont Wowereit. Er hofft, dass sein Coming-out auch zukünftigen Generationen Mut macht.
Das Interview zeigt, wie ein einzelner Satz die Gesellschaft verändern kann. Wowereits Botschaft ist klar: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ – ein Satz, der bleibt.



