Organspende in Deutschland: Widerspruchslösung könnte Leben retten – ein Kommentar
Widerspruchslösung bei Organspende: Leben retten oder Selbstbestimmung?

In Deutschland sterben zu viele Menschen, weil Organe fehlen. Nun diskutiert der Bundestag erneut über die Widerspruchslösung. Das wird auch Zeit. Ein Kommentar von Birgitta Stauber, Textchefin der Funke Mediengruppe.

Das Dilemma der Organspende

Da ist das Kind, das stirbt. Plötzlich, unerwartet, nach einem schweren Unfall. Ein furchtbarer Schock für die Eltern. Und dann sollen sie auch noch ertragen, dass die Organe entnommen werden. Aber da ist auch das Kind, das sterbenskrank ist. Das dringend ein neues Herz braucht.

Wenn es um Organspende geht, dann geht es auch immer um Schicksale. Um tiefe Trauer und große Hoffnung. Gerade deswegen braucht es klare Regeln. Doch das deutsche Transplantationsgesetz ist so ausgestattet, dass es viel zu wenig Organspenden gibt für die mehr als 8000 Menschen, die auf der Warteliste stehen. Also sterben Menschen, obwohl die meisten Deutschen dazu bereit sind, nach ihrem Tod ihre Organe zur Verfügung zu stellen.

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Die Belastung der Angehörigen

Im Trauerfall müssen Angehörige raten, was der Verstorbene gewollt hätte. Oft ist die Trägheit zu groß, sich als Organspender registrieren zu lassen und auch den Ausweis mit sich zu führen. Dann müssen Eltern, Kinder oder Partner im Trauerfall erraten, was der Verstorbene denn gewollt hätte – eine zusätzliche Belastung in einem Ausnahmezustand.

Seit Jahren diskutiert die deutsche Politik über eine Widerspruchslösung, die eine Entnahme von Organen grundsätzlich ermöglicht, es sei denn, der Verstorbene hat dies zu Lebzeiten abgelehnt oder seine Angehörigen legen ein Veto ein. Doch bisher ließ sich dafür keine Mehrheit finden.

Ethische Bedenken und internationale Beispiele

Hauptgründe sind ethische Bedenken, denn auch jemand, der nicht aktiv widersprochen hat, kann gegen eine Organentnahme sein. In dem Fall befürchten Kritiker einen Verstoß gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, da ohne Zustimmung über den Körper verfügt werde.

Andere Länder machen es längst vor: Wo man aktiv der Organentnahme widersprechen muss, gibt es wesentlich mehr Organspenden. Wird dieser Widerspruch nicht eingelegt, hat die Selbstbestimmung über einen toten Körper dort ein Ende, wo es um Menschenleben geht.

Ein Appell an die Kritiker

Und noch ein Wort an die Kritiker: Zu sagen, mein Körper gehört mir, ist leicht. Das kann sich ganz schnell ändern, wenn man selbst, das eigene Kind, die eigene Mutter, der Partner oder auch der beste Freund auf eine Organspende angewiesen ist.

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