Seit Januar 2026 erhalten alle 18-Jährigen in Deutschland Post von der Bundeswehr: einen Fragebogen zur Ermittlung der Wehrtauglichkeit und des Interesses am freiwilligen Wehrdienst. Nun zieht das Verteidigungsministerium eine erste Bilanz. Der Rücklauf ist hoch – doch die Zahl der Freiwilligen muss steigen, sonst droht die Wiedereinführung der Wehrpflicht für Männer.
Hohe Rücklaufquote bei Männern, geringe Beteiligung der Frauen
Bis zum 18. Juni wurden rund 298.200 Fragebögen an 18-jährige Männer und Frauen versendet. Von den Männern, die zur Beantwortung verpflichtet sind, haben nach Ablauf der Nachfrist rund 96 Prozent geantwortet – entweder innerhalb von vier Wochen oder nach einem Erinnerungsschreiben. Etwa 6000 junge Männer, die auch nach einer zweiten Mahnung nicht reagierten, müssen nun mit einer Geldstrafe rechnen. Die Verweigerung gilt als Ordnungswidrigkeit, das Bußgeld soll zunächst maximal 250 Euro betragen.
Bei den Frauen, die nicht zur Beantwortung verpflichtet sind, ist die Resonanz dagegen schwach: Nur vier Prozent schickten den Fragebogen zurück. Das Ministerium zeigt sich überrascht von dieser geringen Beteiligung.
Interesse am freiwilligen Wehrdienst: Jeder Fünfte, aber mit Vorbehalten
Gut jeder fünfte junge Mann gab im Fragebogen an, sich für den freiwilligen Wehrdienst zu interessieren. Allerdings liegt die Aufgeschlossenheit auf einer Skala von eins bis zehn überwiegend in der unteren Hälfte. Zwei Drittel der Interessenten sind derzeit wegen Schule oder Ausbildung nicht verfügbar. Bislang wurden rund 1500 Musterungen oder Einstellungstests durchgeführt, und rund 530 Interessierte werden aktuell fest für einen Wehrdienst eingeplant.
Trotz dieser verhaltenen Zahlen könnte die Resonanz ausreichen, um die planerischen Vorgaben für 2026 zu erfüllen: Die Bundeswehr strebt an, die Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden von 12.500 im Vorjahr auf 20.000 in diesem Jahr zu steigern. Im ersten Halbjahr wurden bereits rund 10.000 Einplanungen vorgenommen – ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Verteidigungsministerium erklärte: „Der Neue Wehrdienst als Teil des Aufwuchses wird spürbar angenommen.“
Ziele für die kommenden Jahre: Steigender Bedarf an Freiwilligen
Doch die Anforderungen wachsen: Für 2027 plant die Bundeswehr mit 23.000 freiwillig Wehrdienstleistenden, für 2028 mit 28.000. Aus dieser Perspektive ist die Zwischenbilanz eher ernüchternd. Werden die Ziele verfehlt, müsste der Bundestag rasch die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht beschließen.
Das Verteidigungsministerium bemüht sich jedoch, die Bedeutung der Fragebögen für die Rekrutierung zu relativieren. In erster Linie gehe es um die Erfassung von Wehrfähigen, nicht um die Nachwuchsgewinnung. Tatsächlich verzeichnet die Bundeswehr in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg bei Bewerbungen und Neueinstellungen für alle Laufbahnen: Rund 38.500 Bewerbungen gingen ein – ein Plus von rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Neueinstellungen stieg um 13 Prozent auf rund 11.000.



