Vier Jahre im Bundestag reichen aus, um Abgeordneten ein Altersgeld zu sichern, das dem eines Durchschnittsverdieners nach fast drei Jahrzehnten Arbeit entspricht. Dies ergab eine Berechnung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages auf Anfrage der Linken. Demnach erhalten Parlamentarier nach nur einer Wahlperiode so hohe Altersbezüge wie ein Beschäftigter nach rund 28 Beitragsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung. Zuerst berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ursprünglich geplante Diätenerhöhung hätte Schere weiter geöffnet
Wäre die ursprünglich geplante Erhöhung der Abgeordneten-Diäten in diesem Jahr nicht ausgesetzt worden, hätte die Kluft noch größer ausgesehen: Vier Jahre im Parlament hätten dann rund 29 Beitragsjahren in der Rentenkasse entsprochen.
Kritik der Linken: „Absurde Privilegien“
Sarah Vollath (30, Linke), rentenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, die erst seit 2025 im Bundestag sitzt, kritisierte scharf: Das Niveau von Abgeordneten-Diät und Altersentschädigung habe „rein gar nichts mit der Lebensrealität der meisten Menschen in diesem Land zu tun“. Sie fügte hinzu: „Dass nach 28 Jahren harter Arbeit so viel gesetzliche Rente rauskommt wie nach nur vier Jahren im Bundestag, ist einfach absurd.“ Vollath forderte: „Es ist allerhöchste Zeit, diese Privilegien abzuschaffen.“
Mechanismus der Altersbezüge: Diäten steigen, Altersbezüge steigen mit
Hintergrund ist ein besonderer Mechanismus: Abgeordnete erhalten vergleichsweise hohe monatliche Bezüge und eine eigene Altersentschädigung, um ihre Unabhängigkeit zu sichern. Bereits nach einem Jahr im Bundestag entsteht ein Anspruch auf Altersversorgung. Mit jedem weiteren Jahr wächst dieser Anspruch bis zu einem Höchstsatz. Entscheidend ist, dass die Altersentschädigung direkt an die monatlichen Diäten gekoppelt ist. Steigen die Abgeordnetenbezüge, steigen automatisch auch die späteren Altersbezüge.
Derzeit liegen die Diäten bei rund 11.833 Euro im Monat. Zum 1. Juli würden sie eigentlich um 497 Euro auf rund 12.330 Euro im Monat steigen, da die Höhe der Diäten an die Entwicklung der Durchschnittslöhne gekoppelt ist. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage soll die Erhöhung dieses Jahr jedoch ausgesetzt werden. SPD, Linke, Grüne und AfD sind für eine Aussetzung. Auch Unionsfraktionschef Jens Spahn (46, CDU) sprach sich dafür aus. Die Nullrunde soll aber nur in diesem Jahr gelten; der zugrunde liegende Mechanismus bleibt unangetastet.



