Die Bundesregierung hat sich zum Stopp von milliardenschweren Pharmainvestitionen in Deutschland geäußert und verteidigt ihren Sparkurs. Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums erklärte in Berlin, dass unternehmerische Entscheidungen gegen den Standort Deutschland zwar bedauerlich seien. Sie zeigten jedoch, dass die Herausforderungen, insbesondere durch die US-Pharmapolitik, sehr ernst genommen werden müssten.
Standort Deutschland bleibt attraktiv
Trotz der diskutierten Maßnahmen mit dem Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung bleibe der deutsche Markt für die Pharmabranche attraktiv, so die Sprecherin. „Auch dieser Industriezweig hat als Arbeitgeber ein Interesse an stabilen Sozialbeiträgen.“ Ziel der Bundesregierung sei es, die Gesundheitswirtschaft zu stärken. Sie verwies auf die laufende Erarbeitung einer umfassenden Pharmastrategie.
Eli Lilly halbiert Investitionen
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass er wegen der Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen eine geplante Investition von 2,5 Milliarden Euro in einen neuen Standort im rheinland-pfälzischen Alzey halbieren will. Statt der ursprünglich geplanten Größe solle zunächst nur der „Mindestumfang“ des Standortes fertiggestellt werden. Dies sei eine direkte Reaktion auf die unsicheren Rahmenbedingungen.
Boehringer Ingelheim stoppt 900 Millionen Euro
Der rheinland-pfälzische Pharmakonzern Boehringer Ingelheim will zudem geplante Investitionen von 900 Millionen Euro in Deutschland stoppen. Als Gründe nannte das Unternehmen schwierige Bedingungen in Deutschland, die Sparvorgaben der Bundesregierung und Druck aus den USA. Boehringer Ingelheim hatte ein Abkommen mit der US-Regierung geschlossen, um im Gegenzug für Investitionen in Amerika von Pharmazöllen befreit zu werden. Dies zeigt die zunehmende Verflechtung der globalen Pharmamärkte.
Härtere Sparvorgaben für Konzerne
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Krankenkassen mit dem „Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ im Jahr 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlasten und so steigende Zusatzbeiträge verhindern. Geplant sind auch schärfere Sparvorgaben für die Pharmabranche. So sollen die Herstellerrabatte, die Arzneikonzerne den Krankenkassen gewähren müssen, steigen. Nach Prognose des Pharmaverbands VFA sollen sie von aktuell 7 Prozent des Listenpreises auf rund 20 Prozent bis 2030 anwachsen.
Kritik aus der Pharmabranche
Aus der Pharmabranche hatte es harsche Kritik an den Plänen gegeben. Die Unternehmen argumentieren, dass die Sparvorgaben dem Standort schaden und das Ziel der Bundesregierung unterlaufen, die Pharmaindustrie als Schlüsselbranche zu stärken. Die Bundesregierung hält dagegen und betont die Notwendigkeit stabiler Sozialbeiträge und einer nachhaltigen Gesundheitsfinanzierung.



