Im Verfahren um die tödliche Amokfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt haben die Beteiligten am 35. Verhandlungstag weitere medizinische Unterlagen gehört. Die verlesenen Arzt- und Behandlungsberichte dokumentieren anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigungen der Überlebenden und Hinterbliebenen. Zugleich stehen noch sogenannte Adhäsionsanträge von Nebenklägern aus, mit denen sie Schadenersatz fordern. Das Gericht muss zudem über mehrere Beweisanträge der Verteidigung und des Angeklagten entscheiden. Erst danach könnte die Generalstaatsanwaltschaft ihr Plädoyer halten – ob dies noch heute geschieht, blieb zunächst ungewiss.
Verzögerung durch Zwischenfall im Saal
Der Beginn des 35. Verhandlungstages verzögerte sich um knapp 30 Minuten, weil der Angeklagte in seiner Glaskabine lautstark schrie und sich längere Zeit nicht beruhigen ließ. Fünf maskierte Justizbeamte stellten sich um den 51-Jährigen und führten ihn aus dem Saal. Kurz darauf wurde er zurückgebracht. Richter Sternberg erklärte, der Angeklagte habe dies als „Showeinlage für die Presse“ bezeichnet.
Plädoyers werden mehrere Tage dauern
Die Schlussvorträge werden sich über mehrere Tage erstrecken. Mehrere betroffene Angehörige und Überlebende haben sich zu Wort gemeldet. Von den über 200 Nebenklägern sind nur wenige im Verhandlungssaal anwesend. Seit dem 10. November 2025 verhandelt das Landgericht in einem eigens errichteten Interimsgebäude unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gegen den Todesfahrer.
Die Tat und die Anklage
Der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen war am 20. Dezember 2024 mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Fahrzeug rund 350 Meter über den Weihnachtsmarkt gerast. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge kamen ums Leben, mehr als 300 Personen wurden teils schwerst verletzt. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Saudi-Araber, der als Psychiater im Maßregelvollzug arbeitete, unter anderem sechsfachen vollendeten Mord sowie 338-fachen versuchten Mord vor.



