Die FDP in der Existenzkrise: Ein Plädoyer für Geschlossenheit
Die Freien Demokraten durchleben eine schwere Zeit. Umfragen sehen die Partei regelmäßig unter der Fünf-Prozent-Marke, und intern tobt ein Richtungsstreit. Doch der wahre Gegner der FDP ist nicht etwa Wolfgang Kubicki oder Marie-Agnes Strack-Zimmermann – es ist die eigene Relevanzlosigkeit. Das meint zumindest der Kommentator Stephan-Andreas Casdorff in seinem Zwischenruf. Er warnt die Partei davor, sich in Personaldebatten zu verlieren, während die eigentlichen Herausforderungen ungelöst bleiben.
Kein Kubicki-Problem, kein Strack-Zimmermann-Problem – sondern ein Relevanzproblem
Die FDP hat kein Kubicki-Problem und kein Strack-Zimmermann-Problem. Sie hat ein Relevanzproblem. Das muss die Partei beheben. Gemeinsam. Jetzt. Ehe es zu spät ist. Die Freien Demokraten kämpfen ums Überleben. Wer über fünf Prozent bleiben will, kann sich Grabenkämpfe nicht leisten. Trotzdem wirkt die Partei so, als müsse sie sich zwischen Wolfgang Kubicki und Marie-Agnes Strack-Zimmermann entscheiden. Das wäre ihr größter Fehler.
Die Stärken der beiden Politiker
Die Wahrheit ist unbequem. Beide verkörpern die letzten verbliebenen Alleinstellungsmerkmale der Liberalen. Kubicki spricht Wähler an, die genug haben von staatlicher Bevormundung, politischer Korrektheit und immer neuen Vorschriften. Strack-Zimmermann erreicht Menschen, die Deutschland als handlungsfähige Demokratie in einer gefährlichen Welt sehen wollen. Beide haben ein Profil weit über Parteigrenzen hinaus. Was die FDP nicht von vielen ihrer Funktionäre behaupten kann. Offenbar finden die Leute da draußen – nicht die in der Parteiblase – klare Worte untereinander sogar ganz gut, weil ehrlicher als das übliche Polit-Geschwurbel.
Der falsche Richtungsstreit
Während andere Parteien um Wähler kämpfen, diskutiert die FDP darüber, welcher Liberalismus der „richtige“ sei. Das größere Problem ist, dass die beiden permanent zu Konkurrenten erklärt werden. Während andere Parteien um Wähler kämpfen, diskutiert die FDP, welcher Liberalismus der „richtige“ sei. Das ist interessant für Funktionäre, aber irrelevant für Wähler. Die FDP muss aufhören, sich zwischen Freiheit und Sicherheit, zwischen Wirtschafts- und Gesellschaftsliberalismus entscheiden zu wollen. In der Verbindung liegt die Zukunft des organisierten Liberalismus.
Freiheit und Sicherheit – kein Widerspruch
Wer Freiheit ernst nimmt, muss wirtschaftliche Chancen schaffen. Wer Freiheit ernst meint, muss sie gegen Bedrohungen verteidigen. Kubicki ohne Strack-Zimmermann wirkt nostalgisch, Strack-Zimmermann ohne Kubicki technokratisch. Zusammen müssen sie an Themen ran, die außerhalb ihrer Parteitage existieren: Mittelständler sorgen sich wegen Bürokratie und Energiekosten. Junge Menschen fragen nach Aufstiegschancen. Viele Bürger zweifeln an der Handlungsfähigkeit des Staates.
Eine gemeinsame Antwort ist gefragt
Warum soll jemand heute FDP wählen? Personaldebatten bringen null Punkte. Nur wenn Kubicki und Strack-Zimmermann gemeinsam eine überzeugende Antwort geben, kann die Partei zurückkommen. Streiten ihre Anhänger weiter um Deutungshoheit, wird die Fünf-Prozent-Marke schnell wieder zu hoch für sie sein. Dann aber endgültig.



