Bas: „Bin ein personifiziertes Feindbild geworden“
Bas: „Bin ein personifiziertes Feindbild geworden“

Die SPD-Bundesvorsitzende und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat sich in einem Interview offen über die anhaltenden Hassattacken und Beleidigungen geäußert, denen sie als Politikerin ausgesetzt ist. Bei einem Treffen der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf erklärte die 57-Jährige: „Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden.“ Es sei nicht einfach, die vielen negativen Nachrichten und Kommentare auszuhalten, die täglich auf sie einprasseln. Besonders rechte Netzwerke versuchten, starke und selbstbewusste Frauen durch Hass und persönliche Angriffe zu demütigen und zum Schweigen zu bringen, kritisierte die SPD-Politikerin.

Hass im Netz und persönliche Angriffe

Bas berichtete, dass die Angriffe oft weit über sachliche Kritik hinausgingen. „Es geht nicht um die Sache, sondern darum, die Person fertigzumachen“, sagte sie. „Da sind auch Vergewaltigungsfantasien dabei – was man sich nicht alles anhören muss.“ Die gebürtige Duisburgerin betonte, dass sie zwar viele Anzeigen nicht stelle, die Belastung aber dennoch enorm sei. Besonders schlimm sei es, wenn die Kinder von politisch engagierten Eltern unter den Anfeindungen leiden müssten. In diesem Zusammenhang gestand Bas: „Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben.“

Keine Neigung zum Aufgeben

Trotz der ständigen Anfeindungen zeigte sich Bas kämpferisch. Sie habe keine Veranlagung aufzugeben, auch wenn ihr in stressigen Zeiten schon der Gedanke komme: „Ich könnte es mir mal irgendwie einfacher machen.“ Doch letztlich denke sie immer wieder: „Nein, den Gefallen tue ich denen nicht.“ Sie räumte jedoch ein, dass die zunehmende Härte sie dazu bringe, darüber nachzudenken, wie lange sie das noch aushalten könne.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Politiker sind keine Superhelden

Die Ministerin stellte klar, dass Politiker nicht unfehlbar seien. „Natürlich machen wir nicht immer alles richtig – gar keine Frage, wir sind auch keine Superhelden“, sagte Bas. Es sei jedoch entscheidend, Verantwortung zu übernehmen und darauf zu achten, dass das Gemeinwesen nicht durch Hass und Anfeindungen zerstört werde. „Demokratinnen und Demokraten, wir dürfen uns nicht zurückziehen und den Populisten das Feld überlassen“, appellierte die SPD-Chefin unter dem Applaus der Zuhörer.

Zusammenarbeit mit Kanzler Merz

Auf die Frage von RP-Chefredakteur Moritz Döbler, ob sie wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) „regelmäßig missverständliche Sätze raushaue“, antwortete Bas: „Ja, wir telefonieren darüber auch sehr oft. Und deswegen arbeiten wir wahrscheinlich ja auch ganz gut zusammen.“ Sie ergänzte, dass sie viel darüber redeten, wer was über wen gesagt habe. Bas erzählte auch eine Anekdote über ein „Du“-Angebot von Merz nach einer gemeinsamen Dienstreise. Als sie sich später über eine Äußerung des Kanzlers zum Sozialstaat mit dem Wort „Bullshit“ äußerte, habe Merz sie angerufen. Bas fragte scherzhaft, ob er das „Du“ zurückziehen wolle. „Nein, nein, aber wir sollten mal drüber reden“, habe der Kanzler geantwortet. Stattdessen habe es „einen Versöhnungssalat mit zwei Bier“ gegeben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration