ARD streicht Cosmo: Ein fatales Signal für Vielfalt
Latin-Pop, Hip-Hop, Reggaeton, britischer Soul, französischer Afro-Pop und ein alter Hit von Peter Fox – eine Vormittagsstunde auf dem Sender Cosmo klingt bunt und erfrischend. Doch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) plant, Cosmo ab April nächsten Jahres in einen Hip-Hop-Sender namens 1Live Street zu überführen. Zielgruppe sind 20- bis 29-Jährige. Der WDR-Rundfunkrat soll diesen Plan am Mittwoch absegnen.
Reaktionen und Widerstand
Der RBB, der ebenfalls an Cosmo beteiligt ist, will seine Programmanteile künftig bei Radio 3 untermischen. Radio Bremen hält sich bedeckt, man sei im Gespräch mit dem WDR. Bereits im vergangenen Jahr war Cosmo in den Fokus der ARD-Radioreform geraten. Damals gab es eine Solidaritätskampagne mit Stars wie Herbert Grönemeyer, Joy Denalane oder Jan Delay. Auch jetzt regt sich Widerstand: In Berlin protestiert die Integrationsbeauftragte für den Erhalt des einzigen mehrsprachigen ARD-Radioprogramms.
Kritik: ARD handle im Sinne der AfD
Die Abschaffung von Cosmo sei ein fatales Signal, so ein Kommentar. Die ARD müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, im Sinne der AfD zu agieren. Ein Programm zu beseitigen, das musikalisch, inhaltlich und sprachlich auf Vielfalt setze, sei genau das, wovon die rechtsradikale Partei träume: Weg mit dem woken Zeug! Ein neuer Hip-Hop-Kanal löse bei der AfD zwar keine Freudentänze aus, sei aber weniger strahlkräftig als ein Vollprogramm, das globale Pop-Phänomene und Migrationsthemen behandelt und Sendungen in neun Fremdsprachen bietet. Künftig sollen nur noch Türkisch, Farsi und Arabisch in den jungen WDR-Programmen Platz finden.
Vielfalt in Zeiten knapper Kassen
Die Einstellung von Cosmo sende das Signal, dass Vielfalt in Zeiten knapper Kassen hintenangestellt werden könne. Dies sei ein kolossaler Irrtum, denn die Diversität der deutschen Gesellschaft nehme weiter zu. Ein öffentlich-rechtliches Radioprogramm müsse dem Rechnung tragen und dürfe sich nicht verkrümeln, wenn der Wind von rechts wehe.



