Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal soll heute mit einem speziellen Lastkahn geborgen werden. Nach vier Wochen in einem flachen Seitenarm der Wismarbucht plant die private Initiative, das etwa zwölf Tonnen schwere Tier lebend in die Nordsee zu transportieren. Der Wal atmete am Morgen und stieß kleine Fontänen aus, wie Livestreams zeigten.
Herausfordernde Bergung geplant
Die Aktion ist knifflig: Zunächst sollte der Wal rückwärts mit einer Plane in die Barge bugsiert werden. Doch die Tierärztin Kirsten Tönnies änderte den Plan. Nun soll das Tier vorwärts mit einem Gurt durch eine eigens geschaffene Rinne in den Lastkahn geleitet werden. „Wir versuchen, es so schonend wie möglich zu machen“, betonte Tönnies. Der Wal werde nicht überbeansprucht und nicht über Sand gezogen, ergänzte Oliver Bartelt von der DLRG.
Offene Fragen und Kritik
Bis zum späten Nachmittag des Vortags lagen keine Unterlagen für den Gurteinsatz vor, wie das Schweriner Umweltministerium mitteilte. Das Ministerium betonte, es gehe um Duldung, nicht um Genehmigungen. Der Lastkahn wurde eigens aus der Elbe über den Nord-Ostsee-Kanal geholt. Ein Schiff soll die Barge samt Wal in etwa dreieinhalb Tagen nach Skagen bringen.
Das Deutsche Meeresmuseum sprach sich dagegen aus, das Tier in Ruhe zu lassen. Die wiederholten Strandungen deuteten auf ein ernstes Gesundheitsproblem hin. Die Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC warnte vor Stress: „In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind.“ Heftige Flossenschläge oder eine Schockstarre seien möglich.
Wetterbedingungen günstig
Die Wettervorhersagen sind positiv: Am Dienstag ist Windstärke maximal 4 zu erwarten, am Mittwoch wird es fast windstill. Auch außergewöhnliche Pegelschwankungen vor Poel sind laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie nicht zu erwarten.



