Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat offenbar ihre Pläne zur Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern in Deutschland aufgegeben. Wie das Magazin „Politico“ unter Berufung auf amerikanische und europäische Beamte berichtet, befürchtet das Pentagon, dass Russland die Stationierung dieser weitreichenden Waffen als Eskalation auffassen könnte. Die Entscheidung markiert eine Kehrtwende gegenüber den ursprünglichen Vereinbarungen mit der vorherigen Biden-Regierung.
Hintergrund: Ursprüngliche Pläne und geplatzte Hoffnungen
Die Tomahawk-Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 2500 Kilometern sollten erstmals seit dem Kalten Krieg in Deutschland stationiert werden. Geplant waren neben den Tomahawk auch Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen. Diese Waffen sollten der Abschreckung Russlands dienen. Die Ukraine hatte ebenfalls um die Lieferung der begehrten Marschflugkörper gebeten, jedoch vergeblich.
Bereits im Mai bestätigte der US-General und Nato-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich das Aus für die Stationierung. Als Gründe wurden bislang genannt:
- Ein Schlagabtausch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump, der auch zur Ankündigung führte, US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen.
- Der hohe Verbrauch von Tomahawk im Iran-Krieg – einer Studie zufolge braucht es mindestens drei Jahre, um sie zu ersetzen.
- Eine strategische Abkehr der USA von Europa zugunsten des indopazifischen Raums, die sich nicht erst seit Trump ankündigte.
Neue Erkenntnisse: Eskalationsangst als entscheidender Faktor
Der neue „Politico“-Bericht nennt nun einen weiteren möglichen Grund: die Sorge vor einer Eskalation mit Russland. Der Kreml hat im Ukraine-Krieg immer wieder Ängste vor einer – auch nuklearen – Eskalation geschürt. Die Stationierung von Mittelstreckenwaffen auf deutschem Boden könnte von Russland als Bedrohung wahrgenommen werden.
Deutschland hatte zwischenzeitlich gehofft, die Tomahawk zumindest aus den USA kaufen zu können. Der Bericht deutet jedoch nicht darauf hin, dass diese Option noch besteht. Für Deutschland und Europa offenbart die US-Entscheidung eine kritische Lücke, die nicht allein mit Abschreckung, sondern auch mit Verteidigung im Fall russischer Raketenangriffe zu tun hat.
Experteneinschätzung: Europa hat offensiven Bereich verschlafen
Raketen-Experte Fabian Hoffmann erklärte dem Tagesspiegel im März, dass es im Fall russischer Raketenangriffe darauf ankäme, die russische Raketenproduktion und Abschussvorrichtungen zu zerstören. Doch Europa habe es „komplett verschlafen“, im offensiven Bereich eine glaubhafte Fähigkeit aufzubauen. Die Entscheidung der USA zeigt die Abhängigkeit Europas von amerikanischen Waffensystemen und wirft Fragen zur eigenständigen Verteidigungsfähigkeit auf.



