Nach dem G7-Gipfel im französischen Évian herrscht im Kreml offenbar große Verunsicherung über die Haltung von US-Präsident Donald Trump im Ukraine-Krieg. Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte nun öffentlich Aufklärung von Washington und will wissen, was genau bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs besprochen wurde.
Lawrow fordert Aufklärung über Trumps angebliche Kehrtwende
„Wir wollen verstehen, was in Évian geschehen ist“, erklärte Lawrow. Auslöser sind Aussagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, wonach Trump nach den Gesprächen mit den G7-Partnern zu der Einschätzung gelangt sei, Russland wolle keinen Frieden in der Ukraine. Besonders nervös machen dürfte Moskau Macrons Behauptung, frühere Absprachen zwischen Trump und Putin seien in Évian endgültig 'beerdigt' worden. Putin hingegen halte weiter an diesen einseitigen Absprachen fest, so Macron.
Gleichzeitig versucht Lawrow, den Eindruck einer Kehrtwende herunterzuspielen: Berichte, Trump habe Kiew grünes Licht für härtere Angriffe auf Russland gegeben, seien bloßes „Wunschdenken“. Dennoch zeigen die Reaktionen aus Moskau, dass die Signale aus Washington genau beobachtet werden.
Trump überrascht mit Lob für Selenskyj und Ukraine
Für besonderes Aufsehen sorgten Trumps jüngste Aussagen bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus. Ausgerechnet den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj überhäufte Trump plötzlich mit Lob. Die Ukraine schlage sich „ziemlich gut“, sagte der US-Präsident. Selenskyj sei „mutig“, verfüge über „großartige Ausrüstung“ und habe „großartige Kämpfer“. Die Nato-Staaten kritisierte Trump hingegen stark. Noch vor gut einem Jahr hatte Trump auch Selenskyj öffentlich scharf attackiert – jetzt schlägt er überraschend ganz andere Töne an.
US-Regierung sieht Ukraine im Vorteil
Auch aus der US-Regierung kommen inzwischen Aussagen, die Moskau aufschrecken dürften: Jeremy Lewin, Staatssekretär im US-Außenministerium, sprach zuletzt von einem „breiten Konsens“ zwischen Trump, Selenskyj und den europäischen Verbündeten. Die Ukraine gewinne den Krieg „im Moment“, sagte Levin. Inzwischen seien „bei gutem Wetter die Ukrainer auf dem Vormarsch“. Die Ukraine habe „die Dynamik verändert“, greife russische Energieinfrastruktur an – gleichzeitig verwies Levin auf die wieder eingeführten US-Sanktionen gegen russisches Öl.
Ob Washington seinen Kurs dauerhaft ändert, bleibt abzuwarten. Doch die Botschaften aus dem Weißen Haus und der US-Regierung dürften im Kreml genau registriert werden. Die Entwicklung zeigt, dass Trump seine Position im Ukraine-Krieg möglicherweise neu justiert – sehr zum Missfallen Moskaus.



