Trump kritisiert Deutschland und lobt Selenskyj vor Nato-Gipfel
Trump kritisiert Deutschland und lobt Selenskyj

Knapp zwei Wochen vor dem Nato-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump seine Kritik an Deutschland verschärft und zugleich unerwartet positive Worte für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefunden. Bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus in Washington beklagte Trump am Mittwoch, er sei „enttäuscht über Deutschland“ und dessen Haltung im Irankrieg. Die Bundesregierung habe seine Bitte um Unterstützung abgelehnt: „Gebt uns einen kleinen Stups, gebt uns ein kleines Küsschen. Aber sie haben nein gesagt“, so Trump, ohne Bundeskanzler Friedrich Merz direkt zu nennen. Gleichzeitig verwies er auf die hohen US-Ausgaben für in Deutschland und Europa stationierte Truppen in Höhe von „Hunderten Millionen Dollar“.

Lob für Selenskyj und Zeichen der Annäherung

Im Gegensatz zu seiner früheren Haltung würdigte Trump Selenskyj als „mutig“ und bescheinigte ihm, sein Land „ziemlich gut“ gegen Russland zu verteidigen. Auf die Frage eines Journalisten, ob Selenskyj den Krieg gewinne, antwortete Trump: „Er schlägt sich ziemlich gut. Man muss sagen, er ist mutig. Er hat eine großartige Ausrüstung. Er hat großartige Männer, er hat Kämpfer.“ Diese Aussage markiert eine deutliche Abkehr von Trumps früherem Verhalten, als er Selenskyj im Februar 2025 im Weißen Haus öffentlich gedemütigt hatte. Bereits beim G7-Gipfel in Évian Mitte Juni hatte sich eine Annäherung abgezeichnet, wo Trump verschärften Sanktionen gegen Russland zustimmte und Moskau zu einem Friedensabkommen mit Kyjiw aufforderte. Kanzler Merz wertete dies als Erfolg.

Ruttes Vermittlungsversuche und anhaltende Spannungen

Der Nato-Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara, zu dem Selenskyj eingeladen ist, steht unter dem Eindruck des Irankonflikts. Generalsekretär Rutte, der als „Trump-Flüsterer“ gilt, versuchte die Wogen zu glätten. Er betonte, Deutschlands ausbleibende Unterstützung sei ein „Einzelfall“ und das Land habe seine bilateralen Verpflichtungen erfüllt sowie die Verteidigungsausgaben gesteigert. Zur Veranschaulichung zeigte Rutte Trump eine Schautafel mit roten Balken, die die gestiegenen Investitionen der Partnerländer darstellte und mit „Die Trump-Billion“ überschrieben war. Dennoch ließ sich Trump nicht besänftigen: Er kritisierte neben Deutschland auch Frankreich, Italien und Großbritannien und warf ihnen vor, die USA „im Stich gelassen“ zu haben.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Schatten über dem Gipfel

Das Verhältnis zwischen den USA und den Nato-Verbündeten ist seit Trumps erneutem Amtsantritt vor 15 Monaten angespannt. Trump drohte erneut, die Europäer im Ernstfall nicht gegen Russland zu verteidigen, falls sie nicht mehr Verantwortung für ihre Sicherheit übernähmen. Im Pentagon werden derzeit Pläne für eine Truppenreduzierung in Europa ausgearbeitet. Kanzler Merz zeigte sich vor dem Gipfel optimistisch: „Wir wollen mehr Zusammenarbeit, transatlantisch und europäisch“ und ein „starkes Zeichen“ zur Unterstützung der Ukraine setzen. Der anhaltende Zwist über den Irankrieg wirft jedoch einen Schatten auf die bevorstehenden Gespräche in Ankara.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration