Thun-Präsident Andres Gerber über Mauro Lustrinellis Wechsel zu Union Berlin
Als Klub-Präsident hat Andres Gerber (53) den FC Thun gemeinsam mit Union Berlins neuem Trainer Mauro Lustrinelli (50) in die Schweizer Super League und zur Meisterschaft geführt. Im Interview spricht er über die Hintergründe des Erfolgs und erklärt, warum er glaubt, dass Lustrinelli auch in der Bundesliga bestehen kann.
Die Erfolgsfaktoren beim FC Thun
Gerber betont, dass der Erfolg das Ergebnis einer gemeinsamen Entwicklung sei: „Das waren vier Jahre gemeinsam mit Mauro, aber es sind auch 128 Jahre FC Thun. Da gibt es viele Faktoren, wie die Erfahrungen, die man sammelt. Manche Menschen hinter den Kulissen sind schon Jahre da – im Trainerstab, bei den Spielern, unser Sportdirektor oder ich als Präsident.“ Der Trainer stehe zwar im Rampenlicht, sei aber nicht allein verantwortlich.
Er verweist auf Beispiele wie Hansi Flick oder Vincent Kompany: „Da spürt man, dass deren Anteil am Erfolg sehr groß ist. Aber ein Kompany ohne Kane wäre auch nicht das Gleiche.“ Auch Xabi Alonso wird genannt: „In Leverkusen war das ein Herz und eine Seele, da hat alles gepasst. Dann kam er nach Madrid und es hat überhaupt nicht gepasst.“
Parallelen zu Lustrinelli
Gerber sieht Parallelen zwischen diesen Beispielen und Lustrinelli: „Mauro hat hier als Trainer gut funktioniert. Es kann aber auch sein, dass es bei Union weniger läuft. Das heißt dann nicht, dass er ein schlechter Trainer ist.“ Er ist überzeugt, dass Lustrinelli den Schritt nicht gemacht hätte, wenn er Zweifel gehabt hätte: „Das hat er sich sehr gut überlegt. Es ist natürlich sehr spannend für ihn, in die Bundesliga zu gehen. Es ist auch ein Risiko, sollte er scheitern. Aber dann geht nicht alles kaputt. Mit dieser Geschichte, die er hier geschrieben hat, hat er ein paar Jahre Kredit.“
Vergleich mit Urs Fischer
Gerber erinnert an Urs Fischer, der ebenfalls von Thun zu Union wechselte: „Ich kenne ihn sehr gut, wir sind Freunde. Da habe ich damals Union auch enger verfolgt. Jetzt werde ich Union sehr genau beobachten, um zu sehen, wie Mauro sich dort schlägt. Ich traue ihm vieles zu, aber das hängt von vielen Faktoren ab.“
Herausforderungen in der Bundesliga
Die Startphase könne entscheidend sein: „Du kannst das erste Spiel in München haben, das zweite zu Hause gegen Dortmund, dann gehst du nach Leverkusen. Dann hast du vielleicht drei Spiele, null Punkte und es brennt. Dann fragen alle, ob dieser Schweizer eine gute Wahl war.“ Gerber glaubt jedoch, dass die Verantwortlichen bei Union langfristig denken: „Sie wollen etwas Langfristiges aufbauen und eine neue Philosophie. Entsprechend hat er sicher etwas Zeit.“
Kulturelle Unterschiede
Gerber weist auf die Unterschiede zwischen Schweizern und Deutschen hin: „In Deutschland ist man direkter. Für uns Schweizer wirkt das etwas rau. Nicht unbedingt böse, aber aus unserer Perspektive kann man die Dinge auch ruhiger oder netter sagen. Wenn du das nicht kennst, musst du am Anfang schon stark sein. Aber ich bin überzeugt, Mauro kann das.“
Prognose für Union Berlin
Abschließend sagt Gerber: „Ich glaube, Mauro werden sie schnell mögen. Man mag ihn einfach. Wenn er nicht zu nervös und plötzlich dünnhäutig wird.“ Er ist zuversichtlich, dass Lustrinelli die nötige Zeit bekommt und sich in Berlin durchsetzen kann.



