Kurz vor den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Bahnverbindung zwischen dem Festland und der Insel Sylt hat die Gemeinde einen symbolträchtigen Schritt vollzogen. Der traditionsreiche Name „Hindenburgdamm“ wird offiziell durch die Bezeichnung „Syltdamm“ ersetzt. Dies gab die Gemeinde Sylt gemeinsam mit dem Jubiläums-Organisationsteam am Montagabend bei einer Auftaktveranstaltung in Wenningstedt bekannt. Die Entscheidung wurde unter anderem von der „Schleswig-Holsteinischen Zeitung“ berichtet.
Historisch belasteter Name
Hintergrund der Umbenennung ist die historisch umstrittene Rolle des ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Hindenburg, der 1927 bei der Eröffnung des Dammes persönlich anwesend war, gilt heute vielen als „Steigbügelhalter Hitlers“. Er ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler und ebnete damit den Weg zur nationalsozialistischen Diktatur. Die Figur des Generalfeldmarschalls (1847–1934) ist daher in der öffentlichen Wahrnehmung stark belastet.
Obwohl die Deutsche Bahn die Trasse offiziell nur als „Nummer 2010“ führt – eine interne Bezeichnung der Strecke zwischen Elmshorn auf dem Festland und Westerland auf der Insel – hatte sich im kollektiven Sprachgebrauch über Generationen hinweg der Name „Hindenburgdamm“ eingebürgert. Offizielle Personennamen tragen bei der Bahn ausschließlich Tunnel, nicht aber Eisenbahnstrecken.
Jubiläumsplanungen für 2027
Die Umbenennung fällt zeitlich mit dem Beginn der Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr 2027 zusammen. Genau ein Jahr vor dem 100. Jahrestag der Eröffnung kamen Vertreter der Deutschen Bahn, von Vereinen, Unternehmen sowie umliegenden Kommunen zusammen, um die Planungen für das Festjahr vorzustellen. Im Mittelpunkt steht ein großes Festwochenende am 29. und 30. Mai 2027. Bürgermeisterin Tina Haltermann präsentierte den aktuellen Stand der Vorbereitungen.
Künftig soll in der offiziellen Kommunikation ausschließlich die Bezeichnung „Syltdamm“ verwendet werden. Die Gemeinde Sylt zieht damit einen symbolträchtigen Schlussstrich unter die Vergangenheit und setzt ein Zeichen für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte.



