In Nordirland ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen, nachdem ein sudanesischer Staatsangehöriger wegen versuchten Mordes angeklagt wurde. Am Dienstagabend setzten Demonstranten in Belfast Autos und Gebäude in Brand. Die Feuerwehr musste Bewohner aus brennenden Häusern retten.
Hunderte bei ausländerfeindlichen Protesten
Mehrere Hundert Menschen hatten sich zuvor in Belfast versammelt, um gegen Einwanderung zu demonstrieren. In Luftaufnahmen des Nachrichtensenders Sky News war schwarzer Rauch über mehreren Stadtteilen zu sehen. Auch in anderen Städten Nordirlands kam es laut BBC zu Protesten.
Video eines brutalen Messerangriffs als Auslöser
Anlass war die Veröffentlichung eines Videos vom Vortag, das einen Messerangriff zeigt. Ein Mann wurde dabei schwer verletzt, mutmaßlich durch den sudanesischen Tatverdächtigen. In dem Video ist zu sehen, wie der Angreifer auf der Straße auf einem blutüberströmten Mann sitzt und auf ihn einsticht. Umstehende versuchen, den Angreifer von seinem Opfer zu trennen.
Die Polizei bat darum, das Video nicht weiterzuverbreiten. Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher rief die Menschen auf, sich nicht durch soziale Medien aufstacheln zu lassen. Es gebe bislang keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.
Eskalation der Gewalt
Als Reaktion auf das Video versammelten sich hunderte Menschen an verschiedenen Orten Belfasts, viele von ihnen maskiert. Ein Bus und mehrere Autos wurden in Brand gesetzt, auch ein Polizeiauto soll laut „Belfast Telegraph“ gebrannt haben. Ein Bewohner berichtete: „Gegen 19.30 Uhr legten sie Feuer in den Müllcontainern. Immer mehr Menschen kamen hinzu und begannen, Brandsätze zu werfen. Plötzlich breitete sich das Feuer aus – wir hatten Rauch im Gebäude.“ Feuerwehrleute brachten die Bewohner in Sicherheit.
Eine 36-jährige Chilenin, die erst vor einem Monat nach Belfast gezogen war, beschrieb die Situation als „beängstigend“. Die nordirische Regierungschefin Michelle O‘Neill verurteilte die Proteste scharf: „Gruppen maskierter Männer, die Familien aus ihren Häusern vertreiben, indem sie diese niederbrennen – das ist nichts anderes als widerliche Feigheit.“
Reaktionen aus der Politik
Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Tat aufs Schärfste: „Der furchtbare Angriff in Belfast ist widerwärtig. Ich habe absolut keine Toleranz für entsetzliche Szenen der Gewalt wie diese auf unseren Straßen.“ Nordirische Politiker verschiedener Parteien warnten vor weiteren Ausschreitungen.
Großbritannien war bereits im Sommer 2024 von heftigen rassistisch motivierten Ausschreitungen erschüttert worden. Erst in der vergangenen Woche gab es in Southampton Krawalle am Rande eines Protests. Auslöser dort waren Bodycam-Aufnahmen, die einen Polizeifehler nach einer tödlichen Messerattacke zeigten.



