Spionagefälle in Schleswig-Holstein explodieren: Anstieg von 3 auf 100 Fälle
Spionagefälle in SH steigen drastisch an

Spionagefälle in Schleswig-Holstein stark gestiegen

Die Sicherheitslage in Schleswig-Holstein hat sich im vergangenen Jahr deutlich verschärft. Wie Innenministerin Magdalena Finke (CDU) bei der Vorstellung des aktuellen Verfassungsschutzberichts mitteilte, stieg die Zahl der registrierten Spionage- und Sabotagefälle von nur drei im Jahr 2024 auf ganze 100 im Jahr 2025. Besonders häufig verzeichneten die Behörden Drohnenflüge und Verdachtsfälle von Agententätigkeiten, die auf Sabotage abzielten.

Hybride Bedrohungen nehmen zu

Neben klassischer Spionage beobachteten die Sicherheitsbehörden auch neue Phänomene wie sogenannte „Wegwerfagenten“, vermehrte Drohnensichtungen und Phishing-Kampagnen. Diese Entwicklungen verdeutlichen laut Innenministerin die wachsende Bedeutung hybrider Bedrohungen für Staat, Infrastruktur und Gesellschaft. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sollen der Verfassungsschutz und die Landespolizei personell gestärkt werden. Mit dem Haushalt 2026 sind fast 200 neue Stellen bei den entsprechenden Behörden vorgesehen, davon 40 speziell für den Bereich Spionage und Sabotage.

Gemeinsames Abwehrzentrum geplant

Bereits im Juni soll ein neues „Gemeinsames Abwehrzentrum Hybrid“ von Bund und Ländern eingerichtet werden, das einen bundesweiten Gesamtüberblick und ein abgestimmtes Lagebild gewährleisten soll. Dieses Zentrum ist vergleichbar mit den bestehenden Abwehrzentren in den Extremismusbereichen.

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Großes Dunkelfeld vermutet

Bei den sogenannten „Wegwerfagenten“ handelt es sich laut Finke um Personen, die mit geringen finanziellen Mitteln dazu verleitet werden, teilweise sogar nur einmalig, Straftaten gegen kritische Infrastruktur im Interesse fremder Mächte zu begehen. „Das Wesen eines Spionageangriffes ist es, möglichst lange unentdeckt zu bleiben“, betonte die Ministerin. Daher gehen die Behörden von einem großen Dunkelfeld bei den Fällen aus.

Politisch motivierte Kriminalität auf Rekordhoch

Neben der Zunahme von Spionagefällen verzeichnete Schleswig-Holstein auch einen Anstieg politisch motivierter Straftaten. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 2.822 solcher Taten registriert, ein Plus von 5,4 Prozent im Vergleich zu 2024 (2.677 Fälle). Dies stellt ein Allzeithoch dar. Die Zahl der Gewaltdelikte sank hingegen leicht um 23 auf 130 Fälle.

Rechtsextremismus bleibt gefährlich

Die Zahl rechtsextremer Straftaten ging von 1.516 im Jahr 2024 auf 1.438 im vergangenen Jahr zurück. Dennoch warnte Finke: „Rechtsextremismus ist auch in Schleswig-Holstein an vielen Stellen präsent und bleibt gefährlich.“ Besonders geschichtsrevisionistische Anlässe wie der Volkstrauertag würden von der neonazistischen Szene für ideologische Umdeutungen missbraucht.

Linksextreme Straftaten gestiegen

Im Gegensatz dazu stieg die Zahl linksextremer Straftaten von 265 im Jahr 2024 auf 330 im Jahr 2025. Die Gewaltdelikte gingen jedoch sowohl im rechten als auch im linken Spektrum zurück: Rechte Gewaltdelikte sanken um 10,8 Prozent auf 58 Fälle, linke um 14,8 Prozent auf 23 Delikte.

Antisemitische Straftaten rückläufig

Erfreulich ist der Rückgang antisemitischer Straftaten um 23 Prozent auf 97 Taten im Jahr 2025. Davon waren 63 Fälle Volksverhetzung. „Antisemitismus bedroht nicht nur jüdisches Leben, sondern auch unsere Demokratie“, betonte Finke. Die Sicherheit jüdischer Menschen und Einrichtungen habe höchste Priorität.

Islamistische Gefahr bleibt abstrakt

Im Bereich des Islamismus wurden 2025 insgesamt 37 Straftaten registriert (2024: 30). Der Verfassungsschutzbericht spricht von einer abstrakten Gefährdung durch islamistischen Terror. Der Szene werden etwa 870 Personen mit sogenanntem Personenpotenzial zugerechnet.

Beleidigungen gegen Mandatsträger

Die Zahl der Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger sank von 122 im Jahr 2024 auf 107 im Jahr 2025. Den Schwerpunkt bildeten Beleidigungen mit 50 Taten. „Wer sich für lebendige Demokratie und eine offene Gesellschaft einsetzt, verdient Schutz und Respekt“, erklärte Finke. Jeder Übergriff sei ein Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

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Die Innenministerin hob besonders das Engagement ehrenamtlicher Politiker hervor: „Dieses Engagement ist das Rückgrat unserer Demokratie.“ Sie trügen entscheidend dazu bei, dass die Anliegen der Bürger Gehör fänden und verschiedene Perspektiven in politische Entscheidungen einflössen.