Altkanzler Gerhard Schröder ist derzeit in der russischen Hauptstadt Moskau unterwegs. Der 81-Jährige wurde von ntv-Korrespondent Rainer Munz im Hotel Kempinski gesichtet. Was genau Schröder, der lange Jahre für russische Energiekonzerne tätig war, in Moskau macht, ist bislang nicht bekannt.
Möglicher Besuch des Wirtschaftsforums
Am Mittwoch beginnt in St. Petersburg das Internationale Wirtschaftsforum, an dem erstmals seit Kriegsbeginn wieder deutsche Unternehmer teilnehmen. Auch Politiker der AfD sind eingeladen. Ob Schröder an dem Forum teilnimmt, ist unklar. Spekulationen gibt es auch über ein mögliches Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin.
Putin hatte Schröder als Vermittler ins Spiel gebracht
Kremlchef Wladimir Putin hatte kürzlich Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg vorgeschlagen. Von europäischer Seite wurde dies jedoch einhellig abgelehnt. „Wenn wir Russland das Recht geben würden, in unserem Namen einen Verhandlungsführer zu benennen, wäre das nicht sehr klug“, sagte EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas am Rande eines Außenministertreffens in Brüssel. Schröder sei hochrangiger Lobbyist für russische Staatsunternehmen gewesen. Daher sei klar, warum Putin ihn haben wolle: „Dann säße er gewissermaßen auf beiden Seiten des Tisches.“
Ablehnung auch aus der Ukraine
Auch die Ukraine lehnt Schröder als Vermittler ab. Außenminister Andrij Sybiha sagte: „Wir unterstützen das nicht.“ Es gebe „viele andere würdige Führungspersönlichkeiten“, die für die EU verhandeln könnten.
Schröders umstrittene Russland-Kontakte
Schröder steht seit Jahren wegen seiner Freundschaft zu Putin und seiner Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik. Schon 2014 feierte er nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim seinen 70. Geburtstag in Russland mit Putin. Auch nach der Vollinvasion 2022 war er noch für russische Energiefirmen tätig. Zugleich zeigte er immer wieder Verständnis für Kremlpositionen. 2023 nannte er eine Bedrohung durch Russland „absurd“. Zuletzt plädierte der Altkanzler für die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus Russland. In einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“ Anfang dieses Jahres wandte er sich auch „gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind“.
Schröder war bereits einmal zu Beginn der Vollinvasion 2022 nach Moskau gereist und hatte dort Putin getroffen. Erreicht hat er damals nichts.



