In der Nähe von Porto fand am vergangenen Wochenende eine sogenannte Remigrations-Konferenz statt, bei der sich rund 500 Anhänger rechter Gruppierungen versammelten. Organisiert wurde die Veranstaltung unter anderem vom österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner. Als besonderer Gast trat Gregory Bovino auf, der ehemalige Grenzschutz-Chef unter US-Präsident Donald Trump. Bovino, der in den USA wegen seines harten Vorgehens gegen Einwanderer bekannt ist, verzichtete diesmal auf seine umstrittene Gestapo-ähnliche Uniform und erschien in ziviler Kleidung.
Bovino verteidigt Remigrationskonzept
In einer Pressekonferenz erklärte Bovino, er freue sich, seine Expertise zur Verfügung zu stellen, um gegen „illegale Einwanderer, die die europäische Kultur zerstören“, vorzugehen. In einem Interview mit einer rechten Plattform hatte er zuvor den deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel als Inspiration genannt. „Wie die Geschichte immer wieder zeigt, zwingen besondere Umstände operative Führungskräfte mitunter dazu, auch die strategischen und öffentlichen Dimensionen einer Operation zu übernehmen“, so Bovino. Dieser Vergleich sorgte für Irritationen, da Rommel eine umstrittene Figur der NS-Zeit ist.
AfD-Vertreter vor Ort
Unter den Teilnehmern der Konferenz befanden sich laut dem Portal „Politico“ auch Vertreter der spanischen Vox und der deutschen AfD. Der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk gab an, als „Gast“ gekommen zu sein. Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré hielt eine Rede und ließ sich mit Bovino und Sellner fotografieren. In einem auf X veröffentlichten Interview betonte sie, Remigration sei die Lösung für viele Probleme. Besonders spannend habe sie den Austausch mit Bovino gefunden.
Remigration als politischer Begriff
Der Begriff „Remigration“ hatte bereits nach einem Treffen in einer Potsdamer Villa im Jahr 2023 breite Debatten ausgelöst. Auch führende AfD-Politikerinnen wie Alice Weidel machten sich den Begriff zu eigen und fordern damit Rückführungen im großen Stil. Die Partei hatte sich jedoch offiziell von Sellners identitärer Bewegung distanziert. Sellner selbst sprach auf der Konferenz von einem „neurotischen Verhältnis zu unserer eigenen Ethnizität“ und forderte, dieses zu überwinden. Seine Bewegung vertritt ein Konzept des Ethnopluralismus, bei dem die ethnische Herkunft maßgeblich für die Zugehörigkeit zum deutschen Volk sei, wie der Verfassungsschutz feststellt.
Internationaler Rückenwind
Dass der Begriff „Remigration“ mittlerweile nicht mehr nur von der extremen Rechten aufgegriffen wird, hängt laut Beobachtern auch mit dem Rückenwind aus Washington zusammen. Trump und als ausführende Kraft auch Bovino hatten radikale Rückführungsmaßnahmen öffentlichkeitswirksam inszeniert. Der ehemalige Europaabgeordnete der französischen Rechtsextremen, Jean-Yves Le Gallou, sagte gegenüber „Politico“: „Wenn der Präsident einer Großmacht das Wort anerkennt, kann man nicht länger sagen, es sei marginal.“ Die Redner und Teilnehmer der Konferenz wiesen den Vorwurf des Rassismus zurück.



