Ukraine-Krieg: Polizei sucht Ex-Soldaten nach Kritik an Putin
Polizei sucht Ex-Soldaten nach Kritik an Putin

Durchsuchung bei Ex-Soldaten nach Video-Aufruf an Putin

Der ehemalige russische Frontsoldat Alexander Lunin, der in einem viralen Video ein Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin über die wahren Zustände im Ukraine-Krieg forderte, wird nun von der Polizei gesucht. Wie die Oppositions-Website „Medusa“ unter Berufung auf Lunins Ehefrau Tatjana berichtete, durchsuchten Polizeikräfte in der Nacht die Unterkunft des Paares im Dorf Lisinowka in der Region Woronesch. Lunin selbst sei nicht angetroffen worden, dafür seien alle elektronischen Geräte im Haus beschlagnahmt worden. Tatjana Lunin erklärte, sie wisse nicht, wo sich ihr Mann derzeit aufhalte; er sei am Vortag in Richtung Moskau abgereist.

Video mit Millionenaufrufen: Lunin droht mit Revolte

Das Video des Ex-Soldaten hatte in Russland für großes Aufsehen gesorgt. Lunin erklärte darin auf der in Russland verbotenen Plattform Instagram, er müsse Putin bei einer Live-Audienz die „ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert“, sagen. Er klagte, dass Soldaten an der Front von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und „verheizt“ würden. „Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml“, drohte er. Zugleich behauptete er, von ranghohen Militärs und Beamten zu dieser Forderung veranlasst worden zu sein. Das Video wurde innerhalb kürzester Zeit rund zehn Millionen Mal aufgerufen und erhielt Hunderttausende Likes.

Kreml reagiert zurückhaltend – übliche Sanktionen erwartet

Der Kreml bestätigte am Freitag, dass man von dem Video Kenntnis habe. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte auf Nachfrage von Journalisten: „Man muss sich das erst einmal anschauen.“ Kritik an der Kriegsführung wird von der russischen Führung üblicherweise mit drastischen Sanktionen belegt. Lunin selbst war zuvor an der Front eingesetzt und hatte offenbar tiefe Einblicke in die Missstände innerhalb der russischen Streitkräfte gewonnen. Sein Aufruf an Putin und die anschließende Flucht vor der Polizei zeigen die wachsende Unzufriedenheit selbst unter ehemaligen Soldaten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hintergrund: Zunehmende Kritik an Kriegsführung in Russland

Die Kriegsführung Russlands in der Ukraine gerät auch innerhalb der eigenen Truppe immer stärker in die Kritik. Berichte über hohe Verluste, mangelhafte Ausrüstung und Führungsversagen mehren sich. Moskau reagiert darauf mit verstärkter Repression: Kritiker werden mit Geldstrafen, Haft oder Zwangsrekrutierung belegt. Lunins Fall könnte ein weiteres Beispiel dafür sein, wie das Regime versucht, abweichende Stimmen zu unterdrücken. Ob er tatsächlich untertauchen konnte oder bereits festgenommen wurde, ist unklar.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration