Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch in Spanien eindringlich vor gesellschaftlicher Spaltung und polarisierenden Darstellungen gewarnt. Während Hunderttausende Gläubige den Pontifex in Madrid begeistert empfingen, setzte er politische Akzente gegen Populismus, Hass und Ausgrenzung.
Mahnende Worte im Königspalast
Gleich zu Beginn seiner einwöchigen Spanienreise hielt der Papst im Madrider Königspalast eine Rede, in der er dazu aufrief, „spaltende und polarisierende Darstellungen“ hinter sich zu lassen. Statt „fruchtlosen Vereinfachungen“ solle man die komplexe Wirklichkeit anerkennen. In Spanien, wo die Rechtsaußenpartei Vox Migration zum Kulturkampfthema macht, wurden Leos Worte als klare Warnung verstanden: vor einem Denken, das die Welt in Freunde und Feinde zerlegt.
Kritik an sozialen Netzwerken
Der Papst nahm auch die sozialen Netzwerke ins Visier. Neue Technologien seien zu einem künstlichen Raum geworden, in dem Vorurteile verschärft, kritisches Denken geschwächt und Intoleranz transportiert werde. Eine indirekte Warnung auch an US-Präsident Donald Trump, der diese Plattformen für seine zugespitzten Botschaften nutzt. Sicherheit entstehe nicht durch Waffen und Mauern, sondern dort, wo Menschen gemeinsam vorangingen, so Leo XIV.
Unterstützung für Sánchez-Regierung
Der Papst dankte Spanien ausdrücklich für seine „Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus“ sowie für das Engagement für Frieden und Solidarität. Damit stärkte er der Mitte-links-Regierung von Premier Pedro Sánchez den Rücken, der international zu den schärfsten Kritikern des Gaza-Kriegs und der harten Linie Donald Trumps zählt. Sánchez steht wegen Korruptionsaffären unter Druck, doch der Papstbesuch lenkt die Aufmerksamkeit auf andere Themen.
Besuch bei Migranten und Obdachlosen
Besonders sichtbar wurde dies beim Papstbesuch im Caritas-Zentrum in Madrid. Dort traf Leo XIV. Menschen ohne Wohnung, Zuwanderer und sozial Ausgegrenzte. Die 33-jährige Kubanerin Niurka, die mit ihren Zwillingen nach Spanien kam, berichtete: „Ich hatte große Angst. Aber die Kirche hat mich aufgenommen und geholfen, eine Zukunft der Hoffnung aufzubauen.“ Der Senegalese Khadry, der 2020 kam, sagte: „Ich fand Menschen, die mich akzeptierten, ohne mich etwas zu fragen, die mich mit Respekt ansahen.“ Er überreichte dem Papst eine Kopie seiner Aufenthaltskarte – ein Symbol in einem Land, das Hunderttausenden irregulären Migranten legale Papiere versprochen hat.
Jugendgebet und Missbrauchsskandal
Ein weiterer Höhepunkt war das öffentliche Gebet mit Hunderttausenden Jugendlichen in der Madrider City. Leo rief sie auf, „Salz der Erde und Licht der Welt“ zu sein. „Angesichts der Leere von Gleichgültigkeit und Konformismus, angesichts der Gewalt von Krieg und Lüge, seid ihr selbst der Funke einer neuen Menschheit“, sagte der Papst. Ein heikles Thema begleitet die Reise: der Missbrauchsskandal in der spanischen Kirche. Leo XIV. sprach von einer „offenen Wunde“ und kündigte Treffen mit Missbrauchsopfern an. Opferorganisationen werfen der Kirche massive Vertuschung vor.
Weitere Stationen: Barcelona und Kanaren
Am Montag spricht der Papst im spanischen Parlament. Am Dienstag reist er nach Barcelona weiter, wo er in der Sagrada Família eine Messe zum 100. Todestag von Antoni Gaudí feiert und den neuen Christusturm segnet – mit 172,5 Metern die höchste Kirche der Welt. Danach geht es auf die Kanaren, wo Treffen mit Migranten auf Gran Canaria und Teneriffa geplant sind. Spanien ist übrigens längst nicht mehr so katholisch wie sein Ruf: Nur noch etwa jeder fünfte Spanier ist praktizierender Katholik, lediglich jede fünfte Trauung wird kirchlich gefeiert, und weniger als die Hälfte der Kinder wird getauft.



