Olympia-Beauftragter Niroomand: Berlin ist nicht gegen Olympia
Niroomand: Keine NOlympia-Stimmung in Berlin

Der Olympia-Beauftragte des Berliner Senats, Kaweh Niroomand, hat sich in einem Interview zu den aktuellen Entwicklungen rund um eine mögliche Olympiabewerbung Berlins geäußert. Dabei betonte er, dass von einer grundsätzlichen NOlympia-Stimmung in der Hauptstadt keine Rede sein könne. Das Hamburger Referendum, bei dem sich die Bürger gegen eine Olympiabewerbung ausgesprochen hatten, überraschte Niroomand nicht vollständig. Bereits in den letzten Umfragen sei die Zustimmung in Hamburg verhalten gewesen, hinzu komme die Erfahrung von 2015, als sich Hamburg ebenfalls gegen eine Bewerbung entschieden hatte. Dennoch sieht er darin weder einen Vor- noch einen Nachteil für Berlin. Jede Stadt habe ihre eigene Ausgangslage und Geschichte, weshalb direkte Rückschlüsse auf andere Bewerbungen falsch wären.

Umfragewerte in Berlin

Auf die Frage nach den gesunkenen Zustimmungswerten in Berlin – von 60 auf 56 Prozent – entgegnete Niroomand, dass 56 Prozent weiterhin eine klare Mehrheit darstellten. Besonders erfreulich sei die hohe Zustimmung bei den 16- bis 29-Jährigen, wo rund zwei Drittel die Bewerbung unterstützten. Dies sei ein wichtiges Signal, da man gerade für junge Menschen mit einer Olympiabewerbung Impulse setzen wolle. Von einer grundsätzlichen NOlympia-Stimmung könne daher keine Rede sein. Entscheidend sei, die Menschen weiterhin einzubeziehen und transparent den langfristigen Nutzen einer Bewerbung zu vermitteln.

Kritik an Olympiagegnern

Zu den Argumenten der Olympiagegner sagte Niroomand, dass eine ideologisch motivierte Blockadehaltung problematisch sei. Viele Argumente beruhten auf Erfahrungen von vor 20 oder 30 Jahren, während sich die Anforderungen an Olympische und Paralympische Spiele grundlegend verändert hätten. Heute stünden Nachhaltigkeit, die Nutzung bestehender Infrastruktur und ein langfristiger Nutzen im Mittelpunkt. Er wünsche sich eine sachliche Diskussion auf Grundlage des Berliner Konzepts.

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Berlin als bester Austragungsort

Niroomand räumte ein, dass die Zustimmung für eine deutsche Bewerbung größer sei als für Berlin. Das sei nicht überraschend, da die Fragen bei der eigenen Stadt kritischer gestellt würden. Berlin stehe vor großen Herausforderungen wie Wohnungsbau, Verkehrsinfrastruktur und Sportstättenentwicklung. Eine Olympiabewerbung könne nicht alle Probleme lösen, aber als Impulsgeber dienen, der Kräfte bündelt und Investitionen beschleunigt. Genau darin liege der eigentliche Wert einer Bewerbung.

Friedrichshain-Kreuzberg als Problembezirk

In Friedrichshain-Kreuzberg lehnen 65 Prozent der Befragten die Spiele ab. Niroomand zeigte sich erfreut, dass in elf der zwölf Bezirke eine Mehrheit die Bewerbung unterstütze. Friedrichshain-Kreuzberg sei ein Bezirk mit intensiver gesellschaftlicher Diskussion, daher sei die Skepsis nicht überraschend. Dies sei ein Auftrag zum Dialog, um durch Transparenz und Beteiligung Akzeptanz zu schaffen.

Parteipräferenzen

Interessant sei, dass 65 Prozent der Anhänger der Grünen die Bewerbung befürworten, obwohl die Parteiführung ablehnend sei. Niroomand vermutete, dass man sich in Teilen der Politik zu früh festgelegt habe – noch bevor das Bewerbungskonzept vorlag. Er wünsche sich eine Diskussion auf Grundlage der tatsächlichen Inhalte. Die vorherige rot-rot-grüne Landesregierung habe das Ziel, Olympische Spiele nach Berlin zu holen, ausdrücklich im Koalitionsvertrag verankert. Entscheidend sei der langfristige Nutzen für Berlin.

Nachhaltige Verbesserungen

Olympische Spiele würden konkrete Verbesserungen bringen: die Modernisierung bestehender Sport- und Veranstaltungsstätten, zusätzliche Mittel für den Breitensport und eine inklusivere Stadt. Olympia und Paralympics würden gemeinsam geplant, was dem Sozialleben zugutekomme – von Sportstätten bis zu Bahnhöfen und Bushaltestellen. Paris sei hier ein gutes Beispiel.

Expo-Diskussion

Niroomand bejahte, dass die Expo-Diskussion der Olympiabewerbung geschadet habe. Beide Projekte seien viel zu lange als konkurrierend behandelt worden, was unnötig Aufmerksamkeit gebunden habe. Der Vorschlag von Kai Wegner und Dietmar Woidke, ein gemeinsames Expo-Konzept zu erarbeiten, sei vernünftig. Dies nehme den Zeitdruck aus der Debatte und ermögliche eine sorgfältige Prüfung. Berlin gewinne nicht dadurch, dass Zukunftsprojekte gegeneinander ausgespielt würden.

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Unterstützung im Senat

Der Senat habe die Olympiabewerbung ohne Gegenstimme beschlossen. Es gehe nun weniger um Zustimmung als um gemeinsames Engagement. Olympische Spiele berührten alle Bereiche des Senats, daher sei die Einbringung aller Ressorts wichtig.

DOSB-Entscheidung

Die Entscheidungsträger des DOSB nähmen den Berliner Ansatz positiv wahr, insbesondere die Nutzung bestehender Infrastruktur und den Nachhaltigkeitsfokus. Die entscheidende Aufgabe sei nun, Verlässlichkeit und Zusammenhalt zu demonstrieren. Der DOSB werde nicht nur die Qualität der Unterlagen bewerten, sondern auch den politischen Willen zur Umsetzung. Daran solle man gemeinsam arbeiten.