Ankara. Auch wenn der Nato-Gipfel nicht im Eklat endete: Donald Trumps Auftritt in Ankara war beunruhigend. Die Europäer müssen handeln. Ein Kommentar von Christian Kerl, Korrespondent.
Trumps Auftritt: Zwischen Eskalation und Beschwichtigung
Friedrich Merz und seine europäischen Kollegen haben beim Nato-Gipfel getan, was sie konnten: Sie rechneten dem US-Präsidenten vor, wie stark ihre Verteidigungsausgaben steigen, sie präsentierten Rüstungsaufträge und organisierten weitere Ukraine-Hilfen. Trotzdem machte Donald Trump wieder eine große Szene: Er kanzelte Verbündete ab, zündelte im Grönland-Streit und sorgte mit der Eskalation im Iran-Krieg für Aufregung. Wie ein ungezogenes Kind, das die Bauklötze umwirft, stürmte Trump öffentlich durch die Gipfel-Tage – um hinter verschlossenen Türen dann beruhigend zu erklären, die USA würden in der Nato bleiben.
Europa in der Zwickmühle: Mehr Verantwortung, weniger Verlass
Für die Europäer ist das heikel. Ob ihr Plan aufgeht, mit der Übernahme von mehr Verantwortung Trump im Bündnis zu halten, ist nicht gesagt. Auf den US-Präsidenten ist kein Verlass. Die Sorge, dass die USA ihr Engagement womöglich schneller reduzieren als Europa die Lücken schließen kann, hat Trump nicht ausgeräumt. Und was ist die Beistandsgarantie unter diesem US-Präsidenten noch wert? Da klingt die neue Nato-Devise „ein stärkeres Europa für eine stärkere Nato“ zwar gut. Aber ein Europa, das vielleicht zu langsam stärker wird, könnte sich in einer schwächeren Nato wiederfinden, während die russische Bedrohung wächst.
Fazit: Deutschland in der Führungsrolle
Auch wenn der Gipfel nicht im Eklat endete – die Europäer sind gut beraten, ihre Verteidigungsanstrengungen zu beschleunigen. Auf Deutschland kommt besondere Verantwortung zu. Merz hat gezeigt, dass er bereit ist, eine Führungsrolle zu übernehmen. Er weiß aber auch: Deutsche Alleingänge sind nicht gefragt – die Europäer sind nur geschlossen stark.



