Die FDP hat einen neuen Generalsekretär: Martin Hagen. Der bayerische Landespolitiker wurde auf Vorschlag des frisch gewählten Parteichefs Wolfgang Kubicki beim Bundesparteitag in Berlin gewählt. Das Ergebnis fiel jedoch verhalten aus: Hagen erhielt nur 58,8 Prozent der Delegiertenstimmen. Knapp 37 Prozent stimmten gegen ihn, der Rest enthielt sich.
Hagens Vision für das Amt
In seiner Bewerbungsrede beschrieb der 44-Jährige seine Vorstellung von der Führung des neuen Amts mit den Worten: „Klare Kante, klare Sprache, mutig, fröhlich, optimistisch und ohne Angst davor, auch mal anzuecken.“ Er wolle kein „Leisetreter“ sein, betonte Hagen. Gleichzeitig versicherte er, nicht in einen „Wettbewerb um Lautstärke“ mit Kubicki treten zu wollen. Dennoch sei es für eine Partei, die nicht im Bundestag vertreten ist, wichtig, dass mehr als eine Person an der Spitze zuspitzen könne.
Scharfe Abgrenzung von der AfD
Hagen grenzte sich in seiner Rede deutlich von der AfD ab. „Eine Partei, in der führende Protagonisten völkisches Gedankengut pflegen und das deutsche Staatsvolk als ethnisch homogene Abstammungsgemeinschaft definieren, kann niemals Koalitionspartner für unsere FDP sein“, erklärte er. Wer Menschen aufgrund ihrer Abstammung abspreche, Deutsche zu sein, dessen Geisteshaltung sei von der der FDP „kilometerweit entfernt“. Daher brauche es keine „Brandmauer“ zur Abgrenzung – eine Aussage, die parteiintern für Kontroversen sorgte.
Parteiinterne Kritik
Hagens Forderung nach einer Abkehr von der Brandmauer stieß auf Widerstand. Mehrere Delegierte warnten vor einem Rechtsruck der FDP. Auch die Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Kubicki in einer überraschenden Gegenkandidatur unterlegen war, kritisierte Hagen namentlich. Die Diskussion zeigte die tiefen Gräben innerhalb der Partei.
Hagens Hintergrund
Hagen war von 2021 bis 2025 Landesvorsitzender der Bayern-FDP. Aktuell ist er Geschäftsführer der Denkfabrik R21, die sich der Entwicklung einer „neuen bürgerlichen Politik“ verschrieben hat. Das Institut kritisiert unter anderem „woke Identitätspolitik“ und eine angebliche Übermacht linker und grüner Ansichten in der öffentlichen Debatte. Mit seiner Wahl zum Generalsekretär soll Hagen nun die FDP aus der Talsohle führen – mit klarer Kante und ohne Scheu vor Kontroversen.



