Wolfgang Kubicki: Neue Prioritäten für die FDP jenseits der Wirtschaftspolitik
Kubicki: FDP muss Prioritäten neu setzen

Der frisch gewählte FDP-Parteivorsitzende Wolfgang Kubicki hat im Interview mit dem Handelsblatt klargestellt, dass sich die Liberalen nicht allein auf die Wirtschaftspolitik verlassen können. „Die FDP war nie nur Wirtschaftspartei. Sie war immer auch Bürgerrechtspartei, Rechtsstaatspartei und Partei der Eigenverantwortung“, betonte Kubicki. Er widersprach damit der Annahme, dass die Partei ihren Markenkern verloren habe. „Möglicherweise haben wir ihn nicht ausreichend sichtbar gemacht“, räumte er ein.

Neue Schwerpunkte in schwierigen Zeiten

Kubicki erklärte, dass sich die Prioritäten der FDP aufgrund veränderter Herausforderungen verschieben. „Die Grundidee der Freien Demokraten bleibt dieselbe“, sagte er. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten komme es darauf an, Freiheit und Wohlstand zusammenzudenken. Der 74-Jährige wies zudem den Vorwurf zurück, dass sich die FDP auf einem von rechtskonservativen Kräften besetzten Feld bewege. „Der Einsatz für Meinungsfreiheit und Grundrechte kann niemals ein rechtes Thema sein“, betonte er.

Kritik an der Union und eigene Positionen

Kubicki äußerte sich auch zur Konkurrenz mit der Union. Viele Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz klängen wie wirtschaftspolitische Positionen der FDP, aber die Umsetzung sei entscheidend. „Ich stelle fest, dass die Frustration in Teilen der Wirtschaft groß ist“, sagte Kubicki. Er plädierte unter anderem für die Abschaffung der Erbschaftsteuer und für Maßnahmen zur Förderung von Eigentumsbildung, wie etwa den Wegfall der Grunderwerbsteuer für Familien beim ersten Immobilienkauf.

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Keine Öffnung nach rechts

Zur Kritik von Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die vor einer Öffnung der FDP nach rechts warnte, sagte Kubicki: „Mir konnte bisher niemand einen zentralen politischen Konflikt nennen, der diese Erzählung tatsächlich begründen würde.“ Er halte die Brandmauer-Debatte für überflüssig. Entscheidend sei, welche Positionen richtig seien, nicht wer ihnen zustimme. Eine Zusammenarbeit mit der AfD lehne er jedoch ab.

Bildung und Sprache als Schlüssel

Kubicki betonte die Bedeutung von Bildung und Sprachförderung. „Unser Ziel ist, dass kein Kind eingeschult wird, ohne ausreichende Deutschkenntnisse zu besitzen“, sagte er. Dafür seien verpflichtende Sprachtests, mehr Sprachförderung im Vorschulalter und Vorschulklassen nötig. Junge Menschen müssten zudem die Chance auf Eigentumsbildung erhalten, um Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft zu bewahren.

Kubicki, der seit Ende Mai 2026 Bundesvorsitzender der FDP ist, zählt zu den bekanntesten liberalen Politikern Deutschlands. Der Jurist und Volkswirt war zuvor Vizepräsident des Bundestages und lange in Schleswig-Holstein politisch aktiv.

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