Nach dem 1:1-Unentschieden gegen Ägypten in Seattle hat der iranische Nationaltrainer Amir Ghalenoei eine emotionale Wutrede gegen die US-amerikanischen Gastgeber gehalten. Der 62-Jährige beklagte sich über die strengen Einreiseauflagen und die kurze Aufenthaltsdauer, die seiner Mannschaft auferlegt worden seien. „Sie haben uns schrecklich behandelt. Wir hätten schon viel früher einreisen müssen, aber das haben sie verhindert“, sagte Ghalenoei auf der Pressekonferenz.
Strenge Einreisebestimmungen für Iran-Delegation
Hintergrund der harschen Kritik sind die besonderen Umstände, unter denen die iranische Mannschaft an der Weltmeisterschaft in den USA teilnimmt. Wegen des Iran-Krieges hatte der Verband das Quartier nach Tijuana in Mexiko verlegt. Die US-Behörden erteilten der Delegation strenge Einreisebestimmungen: Zu den ersten beiden Gruppenspielen in Los Angeles durfte die Mannschaft erst einen Tag vor Spielbeginn einreisen, für das Spiel in Seattle waren es immerhin zwei Tage. Nach dem Abpfiff musste das Team das Land jeweils zeitnah wieder verlassen. „Nach dem Spiel müssen wir schnell wieder zurück in unser Hotel in Tijuana, das sind drei Stunden Flug. Die Zeit verlieren wir für die Regeneration“, so Ghalenoei.
Ghalenoei: „Das unterdrückteste Team der WM“
Der iranische Trainer ließ kein gutes Haar an den Organisatoren und bezeichnete seine Mannschaft als „das unterdrückteste Team der ganzen WM“. Er appellierte direkt an den Weltfußballverband: „Ich flehe die FIFA an, dafür zu sorgen, dass kein Gastgeber in Zukunft mehr so eine Mannschaft behandelt.“ Die Pressekonferenz begann mit einem Zensurversuch des iranischen Verbandssprechers, der die Journalisten aufforderte, nur Fragen zum Spiel zu stellen – explizit keine zum Motto „Pride Game“ oder zur weltpolitischen Lage. Ghalenoei ignorierte diese Vorgabe jedoch umgehend.
Iran hofft auf Achtelfinale als Gruppendritter
Trotz der Widrigkeiten hat der Iran noch Chancen auf das Weiterkommen. Mit dem Unentschieden gegen Ägypten hofft die Mannschaft auf den Einzug ins Achtelfinale als einer der acht besten Gruppendritten. Die endgültige Entscheidung fällt nach Abschluss der Gruppenphase.
Ägyptens Coach Hassan wünscht sich Deutschland
Deutlich entspannter zeigte sich Ägyptens Trainer Hossam Hassan nach dem Spiel. Der 59-Jährige äußerte überraschend seine Wunschgegner für die K.o.-Runde: „Ich würde gerne nochmal gegen Belgien spielen. Aber auch die deutsche Mannschaft wünsche ich mir.“ Diese Aussage lässt darauf schließen, dass Hassan keine übermäßige Angst vor der Elf von Julian Nagelsmann hat.



