Thüringens AfD-Chef Björn Höcke hat mit seinen jüngsten Äußerungen über West- und Ostdeutsche eine Debatte innerhalb der Partei ausgelöst. In einem Interview mit der Schweizer „Weltwoche“ behauptete der Politiker: „Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte eine Ersatzidentität gefunden und haben sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen.“ Höcke, der selbst aus dem Westen stammt, zitierte zudem einen Satz, den er „irgendwo gelesen“ habe: „In der westlichen Republik wohnen deutsch sprechende Amerikaner und im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche.“ Er fügte hinzu, der Amerikanismus sei eine Antithese zum Deutschtum, was letztlich auch zum aktuellen „Kriegskurs gegen Moskau“ führe.
Ursprung der These bei Russia Today
Recherchen zufolge stammt die Vorlage für diesen Satz höchstwahrscheinlich von Margarita Simonjan, der Chefredakteurin des russischen Staatssenders RT (Russia Today). Bereits im Jahr 2023, während der Debatten um deutsche Panzerlieferungen an die Ukraine, schrieb Simonjan: „In Ostdeutschland leben Deutsche, in Westdeutschland aber mehrheitlich deutschsprachige Amerikaner.“ Diese Aussage wurde anschließend unter anderem von Jürgen Elsässer, prorussischen Blogs und auf Telegram-Kanälen verbreitet.
Kritik aus den eigenen Reihen
Innerhalb der AfD stießen Höckes Äußerungen auf deutliche Kritik. AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch erklärte gegenüber dem Portal „The Pioneer“: „Wir sind eine unteilbare deutsche Nation. Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist unser oberstes Ziel. Wir spalten sie nicht, weder politisch, geistig noch kulturell.“ Der AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen, der sich in der Vergangenheit bereits offene Auseinandersetzungen mit Höcke geliefert hatte, zeigte sich verärgert. Er könne sich „nicht mehr erklären, was in ihn gefahren ist“, sagte der frühere hochrangige Bundeswehroffizier. Lucassen bezeichnete Höckes Aussage als herabwürdigend und nannte die Einschätzung, Westdeutsche seien „in Wahrheit verkappte Amerikaner“, „absolut falsch und töricht“. Dies sei SED-Sprech.
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, versuchte zu beschwichtigen. Er verwies auf den AfD-Mitgründer Alexander Gauland, der Höcke einst als Nationalromantiker bezeichnet habe. Direkt auf Höckes Aussage wollte Baumann nicht eingehen, sagte aber: Im Westen habe man eine andere Erziehung genossen. Da habe man natürlich diesen Ansatz einer gewissen Entnationalisierung.
AfD-Vize Kay Gottschalk, der kürzlich an einem Remigrationsgipfel teilnahm, antwortete auf eine Journalisten-Nachfrage, ob er sich von der amerikanischen Kultur usurpiert fühle, er betrachte die deutsche Einheit als große Chance für Deutschland als Makler zwischen Russland und den USA. Er selbst sehe sich „als gesundes Produkt einer damals noch intakten westdeutschen Schule, die eigenes Denken und eigene Schlussfolgerungen ermöglicht hat“.
Kubicki schließt sich der Kritik an
Auch der neue FDP-Chef Wolfgang Kubicki kritisierte Höckes Aussagen scharf. „Björn Höcke bewegt sich deutschlandpolitisch auf dem Niveau der SED. Es gibt keine Deutschen erster und zweiter Klasse. Jetzt braucht es keine Politiker, die irgendwo im 19. oder 20. Jahrhundert hängen geblieben sind“, schrieb er auf der Plattform X.



