Joschka Fischer zerpflückt Schröders Putin-Treue: „Nicht nachvollziehbar“
Fischer zerpflückt Schröders Putin-Treue

Die einstige rot-grüne Achse zwischen Altkanzler Gerhard Schröder (80, SPD) und Ex-Außenminister Joschka Fischer (78, Grüne) ist endgültig zerbrochen. In der Talkshow von Sandra Maischberger (59) ließ Fischer seinem früheren Chef ungewöhnlich deutlich die Leviten lesen. Anlass war Schröders umstrittene Reise nach Moskau zu seinem langjährigen Freund und Geschäftspartner, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (73).

„Mit Putin reden? Worüber?“

Fischer, der von 1998 bis 2005 unter Schröder als Außenminister amtierte, verpackte seine Kritik nur notdürftig in diplomatische Formulierungen. Die Frage von Maischberger, ob man mit Putin reden solle, konterte Fischer mit einer rhetorischen Gegenfrage: „Mit Putin reden? Worüber? Er ist der Meinung, das ist erstens kein Krieg, sondern eine militärische Spezialoperation, und zweitens hat er Ziele, von denen er nicht abrückt. Also worüber wollen Sie mit ihm reden?“

Der Alt-Grüne analysierte die Lage in der Ukraine mit Blick auf die veränderte Rolle der USA: „Durch den Rückzug der USA aus der Ukraine-Unterstützung liegt die Hauptlast bei den Europäern, also sie spielen heute schon eine zentrale Rolle. Das ist gut, das ist richtig, das ist wichtig.“ Doch dann fügte er hinzu: „Es ist leicht gesagt, mit Putin reden! Da wäre ich sehr dafür. Selbstverständlich sollte das Europa an federführender Stelle machen. Aber will er reden? Will er doch nicht!“

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Schröder als Vermittler? Fischer winkt ab

Maischberger hakte nach: „Mit Gerhard Schröder möchte er reden.“ Fischer antwortete spöttisch: „Das kann er. Er war ja jetzt gerade in Moskau. Ich nehme an, die haben sich nicht angeschwiegen, die werden schon miteinander geplaudert haben.“ Auf die Frage, was er von einem solchen Gespräch erwarte, antwortete Fischer knapp: „Nichts!“

Die Journalistin versuchte, Fischer zu einer persönlichen Einschätzung Schröders zu bewegen: „Sie kennen ihn ja gut, diesen Gerhard Schröder.“ Doch Fischer blockte ab: „Sie werden mich nicht dazu bringen, dazu eine Äußerung hier zu tätigen. Ich habe mit Schröder sieben Jahre eng, vertrauensvoll, gut zusammengearbeitet, und ich bin niemand, der nachtritt.“

„Ich teile seine Auffassung überhaupt nicht“

Dann ließ Fischer doch noch eine deutliche Kritik folgen: „Ich teile seine Auffassung überhaupt nicht. Den Weg, den er eingeschlagen hat, halte ich für nicht nachvollziehbar. Aber das war es.“ Maischberger bohrte weiter: „Also als Vermittler kommt er nicht in Frage für Sie.“ Fischer winkte ab: „Sie brauchen zur Vermittlung jemanden, der auf beiden Seiten akzeptiert wird.“

Die Aussagen Fischers zeigen den tiefen Riss zwischen den einstigen Weggefährten, die Schröder einst als „Koch und Kellner“ seiner rot-grünen Bundesregierung bezeichnete. Schröder pflegt seit Jahren enge geschäftliche und persönliche Beziehungen zu Putin, was ihm in der deutschen Politik zunehmend Kritik einbringt.

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