Das große deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS (Future Combat Air System) ist gescheitert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron haben gemeinsam beschlossen, das milliardenschwere Vorhaben zu beenden. Es sollte ab 2040 als „Kampfjet der Zukunft“ das Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung bilden.
Unterschiedliche Anforderungen führten zum Aus
Bereits seit Monaten zeichnete sich das Scheitern ab. Merz hatte mehrfach auf „ein echtes Problem im Anforderungsprofil“ hingewiesen. Während Frankreich ein atomwaffenfähiges und flugzeugträgertaugliches Flugzeug benötigt, braucht die deutsche Luftwaffe ein schnelles Jagdflugzeug. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse ließen sich nicht vereinbaren.
Hinzu kamen tiefgreifende industrielle Konflikte. Der französische Rüstungskonzern Dassault Aviation beanspruchte 80 Prozent der Entwicklungsverantwortung, obwohl eine andere Aufgabenverteilung vereinbart war. Airbus Defence befürchtete, auf die Rolle des Finanziers reduziert zu werden. Dassault-Chef Éric Trappier lehnte alle Kompromissvorschläge ab und drohte im Oktober 2025 sogar mit dem Ausstieg.
Folgen für die deutsch-französische Rüstungskooperation
Das Aus für FCAS ist ein schwerer Rückschlag für die europäische Rüstungszusammenarbeit. Schon im Oktober 2025 war Frankreich aus einem Drohnenprogramm ausgestiegen. Auch das gemeinsame Kampfpanzerprojekt MGCS (Main Ground Combat System) kommt nur schleppend voran. Macron hatte bereits angedeutet, dass ein Scheitern von FCAS auch die Zukunft von MGCS infrage stellen könnte.
Trotz des Endes des Kampfjet-Projekts wollen Deutschland und Frankreich bei anderen Komponenten zusammenarbeiten. Dazu gehören die „Combat Cloud“, Drohnen und Triebwerke. Beim deutsch-französischen Ministerrat soll ein neuer Arbeitsplan für die verteidigungsindustrielle Zusammenarbeit formuliert werden.
Alternativen für die Bundeswehr
Airbus ist bereits darauf vorbereitet, eigenständig weiterzuentwickeln. Spanien könnte sich anschließen. Auch der schwedische Rüstungskonzern Saab hat Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Eine weitere Option ist der Beitritt zum britisch-italienisch-japanischen GCAP-Programm, allerdings ist dieses bereits weit fortgeschritten. Auch eine Weiterentwicklung des Eurofighters wird erwogen.
Das FCAS-Projekt war mit rund 100 Milliarden Euro das größte Rüstungsprojekt Europas. Es umfasste einen Tarnkappen-Kampfjet der sechsten Generation, autonome Begleitdrohnen und eine neuartige Datenwolke. Nun müssen die beteiligten Länder neue Wege gehen, um ihre Luftverteidigung für die Zukunft zu sichern.



