Die Entwicklung des gemeinsamen europäischen Kampfjets Future Combat Air System (FCAS) wird nach Informationen des SPIEGEL beendet. Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron haben sich darauf verständigt, das milliardenschwere Projekt einzustellen. Dies markiert das Ende einer der ambitioniertesten Rüstungskooperationen in Europa.
Hintergrund des Projekts
Das FCAS-Projekt wurde 2017 ins Leben gerufen, um ein gemeinsames europäisches Kampfflugzeug der nächsten Generation zu entwickeln. Neben Deutschland und Frankreich waren auch Spanien und weitere Partner beteiligt. Ziel war es, die militärische Luftüberlegenheit Europas zu sichern und die Abhängigkeit von US-amerikanischen Herstellern zu verringern. Die Kosten wurden auf über 100 Milliarden Euro geschätzt.
Gründe für das Scheitern
Als Hauptgründe für das Aus des Projekts gelten unterschiedliche Vorstellungen über die technische Ausrichtung, die Verteilung der Arbeitsanteile und die industrielle Führung. Besonders strittig war die Frage, ob die Triebwerke von Safran oder MTU entwickelt werden sollten. Auch die geopolitische Lage und der Druck der USA spielten eine Rolle. Insider berichten, dass die Verhandlungen in den letzten Monaten immer schwieriger wurden.
Reaktionen aus Politik und Industrie
Bundeskanzler Merz betonte in einer Stellungnahme: „Wir bedauern diesen Schritt, aber eine gemeinsame Entwicklung war unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich.“ Frankreichs Präsident Macron zeigte sich enttäuscht, verwies aber auf die Notwendigkeit, nun nationale oder bilaterale Alternativen zu prüfen. Die Rüstungsindustrie in beiden Ländern reagierte verhalten. Dassault Aviation und Airbus, die Hauptauftragnehmer, gaben keine offiziellen Stellungnahmen ab.
Auswirkungen auf die europäische Verteidigung
Das Ende des FCAS-Projekts wirft Fragen zur Zukunft der europäischen Verteidigungszusammenarbeit auf. Experten warnen vor einer weiteren Fragmentierung der Rüstungsindustrie. Andere Länder wie Italien oder Schweden könnten nun eigene Wege gehen. Die Bundeswehr und die französische Armee müssen nun ihre Luftstreitkräfte mit bestehenden Modellen wie dem Eurofighter oder der Rafale modernisieren.
Weitere Schritte
Beide Regierungen haben vereinbart, die Zusammenarbeit in anderen Bereichen wie Drohnentechnologie und Cyberverteidigung zu vertiefen. Ein Gipfeltreffen soll im Herbst stattfinden, um neue Projekte zu diskutieren. Bis dahin bleibt unklar, ob es einen Nachfolger für das FCAS geben wird.



