Erdbeben in Venezuela: Kann das auch in Deutschland passieren? Experte erklärt
Erdbeben Venezuela: Risiko für Deutschland? Experte erklärt

Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela mit den Stärken 7,2 und 7,5 und mindestens 33 Todesopfern (Stand: 25.06.2026) stellt sich die Frage: Kann ein solches Beben auch in Deutschland auftreten? Professor Oliver Heidbach vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam gibt Entwarnung: Die Wahrscheinlichkeit für schwere Erdbeben in Deutschland sei gering.

Wie entstehen Erdbeben?

Erdbeben entstehen durch Bewegungen der tektonischen Platten, die die oberste Erdschicht bilden. „Wir haben vierzehn große tektonische Platten auf der Erde, die sich wie Briefmarken auf einer Tenniskugel relativ zueinander bewegen“, erklärt Heidbach. Diese Platten aus erkalteter Lava sind zwanzig bis hundert Kilometer dick. Darunter wird es heißer – bis zu 1200 Grad Celsius –, sodass das Gestein teilweise schmilzt und einen flüssigen Film bildet, auf dem die Platten schwimmen.

Treffen die Plattenränder aufeinander, entsteht Spannung. „Das ist, als würde man zwei Holzstücke nehmen, die so lange gegeneinander drücken, bis sie sich plötzlich verschieben; dann entsteht ein Erdbeben“, veranschaulicht der Geophysiker. Es gibt drei Szenarien: Platten verschieben sich seitlich, eine taucht unter die andere ab (Subduktion), oder zwei Platten kollidieren.

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Warum sind manche Regionen besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Subduktionszonen, wo eine Platte unter die andere taucht. Dort entstehen häufig die stärksten Beben. „Deswegen hatte das Fukushima-Beben 2011 in Japan eine sehr hohe Magnitude von 9,2“, so Heidbach. Die größten Erdbeben-Hotspots liegen an der Westküste Südamerikas, in Indonesien und Japan – hier ereigneten sich in den letzten zwanzig Jahren die drei verheerendsten Beben. Rekordhalter ist Alaska 1964 mit Magnitude 9,2, aber die Schäden waren gering: „Ein riesengroßes Beben, und keiner hat es gemerkt.“

Wie wirken sich Erdbeben aus?

Ein Teil der Energie erzeugt seismische Wellen, die für die Zerstörung verantwortlich sind. „Seismische Wellen sind wie Wellen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft – mit Amplitude und Frequenz“, erklärt Heidbach. Diese Oberflächenwellen bringen Gebäude zum Schwingen und Einsturz. Nachbeben entstehen durch Spannungsübertragung auf benachbarte Systeme, bis ein Gleichgewicht erreicht ist.

Ist Deutschland gefährdet?

Da Deutschland abseits von Plattengrenzen liegt, ist die Wahrscheinlichkeit für schwere Erdbeben gering. Das letzte Beben mit Magnitude 5,8 ereignete sich 1911. „Solche Beben kommen in Deutschland und Umgebung nur alle 1000 Jahre vor“, betont Heidbach. Für die Bevölkerung besteht daher keine akute Gefahr durch starke Erdbeben.

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