Mittsommer ist für viele ein fröhliches Fest mit Feuer und Tanz. Doch für Rechtsextreme hat die Sonnwendfeier eine tiefere Bedeutung. Extremismusforscher Andreas Speit erklärt im Interview, wie völkische Gruppen solche Veranstaltungen gezielt zur Rekrutierung neuer Mitglieder nutzen – und woran man sie erkennt.
Brauchtum als ideologisches Kerngeschäft
„Nur weil Leute fröhlich ums Feuer tanzen, müssen das keine Menschenfreunde sein“, warnt Speit. Die Brauchtumspflege entlang der Jahreszeiten spiegele den Kreislauf des ewigen Lebens wider – ein zentrales Motiv völkischer Ideologie. Sonnwendfeiern böten eine scheinbar harmlose Plattform, um Menschen mit rechtem Gedankengut vertraut zu machen.
Erkennungsmerkmale rechtsextremer Sonnwendfeiern
- Symbolik: Runen, Sonnenräder oder andere germanische Symbole werden häufig gezeigt.
- Reden: Oft halten Redner nationalistische oder völkische Ansprachen.
- Musik: Lieder mit heidnischem oder nationalistischem Hintergrund.
- Kleidung: Teilweise Trachten mit versteckten rechtsextremen Abzeichen.
Wie die Rekrutierung abläuft
Laut Speit suchen rechtsextreme Gruppen gezielt nach jungen Menschen, die für Brauchtum und Gemeinschaft offen sind. Auf Sonnwendfeiern werden sie angesprochen, zu weiteren Treffen eingeladen und schrittweise radikalisiert. „Das Feuer ist ein starkes Symbol“, so Speit. „Es schafft eine emotionale Bindung und überlagert die politische Botschaft.“
Gefahr für die Demokratie
Die scheinbare Harmlosigkeit solcher Feste mache sie besonders gefährlich. Viele Teilnehmer bemerkten nicht, dass sie für extremistische Zwecke instrumentalisiert würden. Speit empfiehlt, bei Verdacht auf rechtsextreme Hintergründe die örtlichen Behörden oder Beratungsstellen zu informieren.



