AfD-interner Streit: Höckes Thesen zu Ost und West sorgen für Unmut
Höckes Thesen zu Ost und West sorgen für Unmut in AfD

Äußerungen von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke über West- und Ostdeutsche haben innerhalb der Partei eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Hintergrund ist ein Interview, das Höcke der Schweizer „Weltwoche“ gegeben hat. In diesem behauptete der Politiker: „Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte eine Ersatzidentität gefunden und haben sich von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren lassen.“ Der Begriff „usurpieren“ bedeutet, etwas zu verdrängen und dessen Platz einzunehmen.

Diese Aussagen stießen bei mehreren führenden AfD-Mitgliedern auf deutliche Kritik. AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch erklärte gegenüber dem Portal „The Pioneer“: „Wir sind eine unteilbare deutsche Nation. Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist unser oberstes Ziel. Wir spalten sie nicht, weder politisch, geistig noch kulturell.“ Der AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen, der sich in der Vergangenheit bereits offene Auseinandersetzungen mit Höcke geliefert hatte, übte ebenfalls scharfe Kritik. Er könne sich „nicht mehr erklären, was in ihn gefahren ist“, sagte der frühere hochrangige Bundeswehroffizier und bezeichnete Höckes Aussage als herabwürdigend. Die Einschätzung, Westdeutsche seien „in Wahrheit verkappte Amerikaner“, nannte Lucassen „absolut falsch und töricht“. Er sprach von „SED-Sprech“.

Höcke, der selbst aus Westdeutschland stammt, zitierte zudem einen Satz, den er „irgendwo gelesen“ habe und der seiner Meinung nach gut passe: „In der westlichen Republik wohnen deutsch sprechende Amerikaner und im Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche.“ Er fügte hinzu, der Amerikanismus sei eine Antithese zum Deutschtum, was letztlich auch zum aktuellen, angeblichen „Kriegskurs gegen Moskau“ führe. Die Vorlage für diesen Satz stammt vermutlich von Margarita Simonjan, Chefredakteurin des russischen Staatssenders RT (Russia Today). Im Jahr 2023, während der Debatten über deutsche Panzerlieferungen an die Ukraine, schrieb sie: „In Ostdeutschland leben Deutsche, in Westdeutschland aber mehrheitlich deutschsprachige Amerikaner.“ Diese Aussage wurde anschließend unter anderem von Jürgen Elsässer, prorussischen Blogs und auf Telegram verbreitet.

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Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, versuchte hingegen zu beschwichtigen. Auf Nachfrage verwies er auf AfD-Mitgründer Alexander Gauland, der Höcke einst als „Nationalromantiker“ bezeichnet habe. Baumann wollte nicht direkt zu Höckes Aussage Stellung nehmen, sagte aber: Im Westen habe man eine andere Erziehung genossen. Da habe man natürlich diesen Ansatz einer gewissen Entnationalisierung.

AfD-Vize Kay Gottschalk, der kürzlich an einem sogenannten Remigrationsgipfel teilnahm, antwortete auf eine Journalistenfrage, ob er sich als von der amerikanischen Kultur usurpiert fühle. Er betrachte die deutsche Einheit als große Chance für Deutschland, als Makler zwischen Russland und den USA zu agieren. Er selbst sehe sich „als gesundes Produkt einer damals noch intakten westdeutschen Schule, die eigenes Denken und eigene Schlussfolgerungen ermöglicht hat“.

Auch der neue FDP-Chef Wolfgang Kubicki kritisierte Höckes Aussagen scharf. „Björn Höcke bewegt sich deutschlandpolitisch auf dem Niveau der SED. Es gibt keine Deutschen erster und zweiter Klasse. Jetzt braucht es keine Politiker, die irgendwo im 19. oder 20. Jahrhundert hängen geblieben sind“, schrieb er auf der Plattform X.

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