Die AfD behauptet in einer neuen bundesweiten Umfrage ihre Position als stärkste politische Kraft. Im wöchentlichen Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Insa für die „Bild am Sonntag“ liegt die von Alice Weidel und Tino Chrupalla geführte Partei unverändert klar vor der Union, die weiterhin auf nur 22 Prozent kommt. Der Abstand zwischen der Union und der AfD, über die gerade eine neue Parteiverbotsdebatte entbrannt ist, beträgt in dieser Erhebung sieben Prozentpunkte.
SPD verliert weiter an Zustimmung
Der Regierungspartner von Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz steht in der Gunst der Wähler immer schlechter da: Die Sozialdemokraten unter den Co-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas verlieren einen weiteren Prozentpunkt und liegen nun bei zwölf Prozent – vier Punkte weniger als bei der Bundestagswahl, als 16,4 Prozent der Wähler für die SPD stimmten.
Bei Grünen und Linken gibt es keine Bewegung: Sie kämen auf 13 und zehn Prozent. Die FDP unter dem kürzlich gewählten Vorsitzenden Wolfgang Kubicki konnte einen Punkt zulegen, würde mit vier Prozent aber dennoch den Wiedereinzug in den Bundestag verpassen. Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht stagniert.
Die Koalitionsparteien, die um große Reformprojekte ringen, erzielen aktuell zusammen 34 Prozent. Die „Bild am Sonntag“ weist darauf hin, dass die SPD unter Gerhard Schröder auf diesen Wert bei der Bundestagswahl 2005 noch alleine kam. Seit der Wahl im Februar 2025 hat Schwarz-Rot nahezu jeden vierten Wähler verloren.
Koalitionsoptionen erschwert
Da die Union eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt, würde es schwierig, Koalitionen mit einer parlamentarischen Mehrheit zu schmieden, wenn am Sonntag gewählt würde. Rot-Grün-Rot käme derzeit lediglich auf 35 Prozent und hätte damit keine Mehrheit. Möglich wäre aktuell eine Kenia-Koalition aus Union, Grünen und SPD. Gemeinsam erreichen die drei Parteien 47 Prozent.
14 Prozent der Stimmen entfallen in dieser Umfrage auf Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Dadurch sinkt die nötige Stimmenzahl für eine Mehrheit. Ein Bündnis benötigt derzeit mehr als 43 Prozent der Stimmen, um im Parlament eine Mehrheit zu erreichen.
Wüst verliert in NRW deutlich an Zustimmung
Einen Umfrage-Dämpfer gibt es auch für einen der mächtigsten CDU-Politiker. In Nordrhein-Westfalen, wo im April nächsten Jahres ein neuer Landtag gewählt wird, könnte die schwarz-grüne Landesregierung ihre Mehrheit zwar weiterhin behaupten. Die Partei von Ministerpräsident Hendrik Wüst verliert aber zum zweiten Mal in Folge deutlich an Zustimmung.
Nach einer vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) veröffentlichten Umfrage des Instituts Infratest dimap kommt die CDU in der Sonntagsfrage auf nur noch 32 Prozent, nach 35 Prozent im Februar. Wüsts Koalitionspartner von den Grünen steigt um zwei Punkte auf 15 Prozent.
Erstmals liegt jetzt die AfD im mit knapp 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesland mit an zweiter Stelle. Die Rechten klettern um zwei Punkte auf ihr bisher bestes Ergebnis in dieser NRW-Umfrage und kommen wie die SPD auf 17 Prozent. Die Sozialdemokraten verlieren in ihrem einstigen Stammland drei weitere Prozentpunkte. Damit nähert sich die SPD erneut ihrem Rekordtief im NRW-Trend (16 Prozent im Juni 2025).
Erstmals seit April 2024 erreichte die FDP wieder fünf Prozent (plus 1), was für den Einzug in den Landtag reichen würde. Die Linke wäre der Umfrage zufolge mit unverändert sechs Prozent ebenfalls im Parlament in Düsseldorf vertreten.
Die Menschen in NRW sehen die Landesregierung inzwischen kritischer. Nur noch 42 Prozent der Bevölkerung sind zufrieden mit deren Arbeit, das sind sechs Prozentpunkte weniger als im Februar. Eine Mehrheit von 53 Prozent ist demnach unzufrieden mit der Regierung.
Die Arbeit von Ministerpräsident Wüst wird ebenfalls negativer bewertet als im Februar: 42 Prozent der Befragten sind zufrieden (-3), 40 Prozent (+2) sind unzufrieden.
Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.



