Altersvorsorgedepot oder Riester: Lohnt der Wechsel? Drei Rechenbeispiele
Altersvorsorgedepot oder Riester: Drei Rechenbeispiele

Die Bundesregierung plant ein neues Altersvorsorgedepot, um die bislang wenig erfolgreiche Riester-Rente abzulösen. Viele Arbeitnehmer zögern jedoch, zusätzlich privat vorzusorgen. Für die Millionen Kunden, die bereits einen Riester-Vertrag besitzen, stellt sich die Frage: Sollten sie wechseln? Drei exemplarische Berechnungen zeigen, dass ein Umstieg durchaus mehr Rendite und Flexibilität bringen kann. Allerdings ist Vorsicht geboten, insbesondere kurz vor dem Renteneintritt, wenn die Sicherheit der Anlagen eine größere Rolle spielt.

Erster Fall: Riester-Anleger in den 50ern

Wer Anfang oder Mitte 50 ist und bereits ein ordentliches Guthaben auf dem Riester-Depot angesammelt hat, sollte den Wechsel ernsthaft in Betracht ziehen. Denn es bleibt genügend Zeit, um mit einem kostengünstigen Altersvorsorgedepot, das auf Aktien-ETFs basiert, ordentlich Rendite zu erwirtschaften und zwischenzeitliche Marktschwankungen auszusitzen. Zudem kann das Depot bis zum Alter von 70 Jahren bespart werden, bevor die Auszahlungsphase beginnt. Das eigentliche Ziel ist eine höhere Rendite. Im alten Riester-System sind Einzahlungen und staatliche Zulagen zwar garantiert, doch diese Garantie drückt oft die Rendite, die zudem durch hohe Kosten geschmälert wird. Im neuen Depot können Anleger stärker auf Rendite setzen. Ein Musterfall für einen Single mit 45.000 Euro Bruttoeinkommen zeigt: Wer 17 Jahre lang jährlich 1.800 Euro in das neue Altersvorsorgedepot einzahlt, erhält 30.600 Euro Eigenbeiträge, 9.180 Euro Förderung und über 25.000 Euro Rendite. Nach Steuern bleiben netto mehr als 50.000 Euro. Im Vergleich dazu bringt ein Riester-Vertrag aufgrund niedriger Renditen nur rund 33.000 Euro netto. Mit zwei förderfähigen Kindern wächst der Vorsprung auf etwa 5.000 Euro zusätzlich, sodass das Altersvorsorgedepot netto rund 57.000 Euro bietet. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn 50.000 Euro aus einem bestehenden Riester-Vertrag direkt in das neue Depot übertragen werden: Dann stehen am Ende 149.000 Euro netto im Altersvorsorgedepot gegenüber 74.000 Euro netto beim Riester – ein Plus von 75.000 Euro.

Zweiter Fall: Anfang 60 und zufrieden mit Riester

Wer Anfang 60 ist und nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat, sollte nicht überstürzt wechseln, insbesondere wenn der bestehende Riester-Fondssparplan gut gelaufen ist. Manche alten Riester-Verträge, etwa bei Union Investment oder DWS, waren durchaus erfolgreich. Ein schneller Wechsel kurz vor der Rente kann riskant sein. Dennoch sollte geprüft werden, ob das bisherige Auszahlmodell wirklich ideal ist: ein Auszahlplan bis mindestens zum 85. Geburtstag mit anschließender Rentenversicherung. Wer damit unzufrieden ist, kann den Eintritt in die Auszahlungsphase möglichst lange hinauszögern, egal ob mit altem Riester-Vertrag oder später mit dem Altersvorsorgedepot. Bei vielen Riester-Verträgen lässt sich der Auszahlbeginn bis zum 1. Januar nach dem 67. Geburtstag verschieben. Daher empfiehlt es sich, 2027 in Ruhe die neuen Angebote zu prüfen. Entscheidend sind die monatliche Summe zur Schließung der Rentenlücke sowie mögliche Renditechancen in der Auszahlphase, die bis zu 30 Jahre dauern kann. Wer nicht vor dem 1. Januar 2028 mit der Riester-Rente beginnen muss, hat keinen Grund zur Eile.

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Dritter Fall: Flexibilität gewünscht

Mit 65 Jahren das Geld aus dem Riester-Vertrag noch nicht sofort benötigen? Das neue Altersvorsorgedepot bietet hier interessante Möglichkeiten. Es kann bis zum Alter von 70 Jahren weiter bespart werden, oder das vorhandene Kapital aus dem alten Vertrag wird ins neue Depot übertragen und erst mit 70 abgerufen. Dann ist das Einkommen in der Regel niedriger, sodass die Steuerlast auf die Auszahlungen geringer ausfällt. Zudem kann die Altersvorsorge über einen Auszahlplan nur bis 85 ausgezahlt werden, was vergleichsweise hohe monatliche Raten ermöglicht – ideal für alle, die nicht an ein sehr hohes Alter glauben. Allerdings ist dann das Geld mit 85 aufgebraucht. Diese Flexibilität macht den Wechsel besonders attraktiv für Menschen, die keine lebenslange Zusatzrente wünschen, sondern ihr Kapital geordnet und flexibel bis 85 entnehmen möchten. Dabei bleibt ein Marktrisiko bestehen, solange das Geld nicht in sicherere Anlagen umgeschichtet wird. Doch wer kurz vor der Rente noch im alten Vertrag steckt, hat oft weniger zu verlieren, vor allem wenn der Vertrag teuer ist und die Rendite schlecht. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt stark vom bestehenden Riester-Vertrag ab: Je geringer die Rendite, desto eher kann ein Wechsel auch kurz vor der Rente noch sinnvoll sein.

Fazit

Das neue Altersvorsorgedepot ist nicht für alle Riester-Kunden attraktiv, aber für viele eine echte Verbesserung. Wer auf Sicherheit und Garantien setzt, bleibt besser beim alten Modell. Wer hingegen noch Zeit hat oder mit seinem Riester unzufrieden ist, erhält mit dem neuen Depot die Chance auf mehr Rendite, mehr Gestaltungsfreiheit und weniger Produktfrust. Wichtig: Nehmen Sie sich Zeit, denn konkrete Produkte gibt es noch nicht auf dem Markt. Entscheidend wird sein, wie gut die künftigen Altersvorsorgedepots tatsächlich sind.