In der psychologischen Forschung mehren sich die Hinweise, dass bestimmte therapeutische Ansätze unbeabsichtigt schädliche Wirkungen entfalten können. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass Menschen durch suggestive Fragetechniken und geführte Imaginationen dazu gebracht werden können, sich an Ereignisse zu erinnern, die nie stattgefunden haben. Diese falschen Erinnerungen können wiederum echte Traumata auslösen oder bestehende psychische Belastungen verstärken.
Wie Suggestionen das Gedächtnis beeinflussen
Das menschliche Gedächtnis ist bekanntermaßen fehleranfällig und formbar. Insbesondere in therapeutischen Settings, in denen Vertrauen und Autorität eine große Rolle spielen, sind Patienten anfällig für Suggestionen. Die Studie zeigt, dass selbst neutrale Fragen wie „Können Sie sich erinnern, als ...“ implizit die Erwartung wecken, dass ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hat. In Kombination mit wiederholtem Nachfragen oder Visualisierungsübungen können so detailreiche, aber falsche Erinnerungen entstehen.
Risiken für die Therapie
Die Autoren der Studie warnen eindringlich vor den Gefahren solcher Techniken. Besonders gefährdet sind Menschen mit vagen Erinnerungen an traumatische Erlebnisse oder solche, die unter Angststörungen leiden. Sie könnten durch gut gemeinte, aber unbedachte Interventionen zusätzliche Traumata entwickeln. Die Forscher empfehlen daher, dass Therapeuten sich der Macht ihrer Worte bewusst sein müssen und auf suggestive Methoden verzichten sollten, es sei denn, sie sind wissenschaftlich fundiert und kontrolliert.
Die Untersuchung unterstreicht die Notwendigkeit einer evidenzbasierten Psychotherapie. Statt auf Suggestion zu setzen, sollten Therapeuten auf bewährte Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie oder EMDR zurückgreifen, die nachweislich wirksam sind und das Risiko von Fehlerinnerungen minimieren. Die Ergebnisse der Studie sind ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um die Ethik und Sicherheit psychologischer Behandlungen.



