Letzter künstlerischer Protest gegen Schließungspläne am Schweriner Theater
Im Schweriner Theaterzelt im Küchengarten findet am 28. März um 19.30 Uhr eine besondere Premiere statt. Das Stück „Im falschen Film“ markiert nicht nur den Beginn einer neuen Produktion, sondern gleichzeitig das Ende einer künstlerischen Ära. Die Inszenierung wird die letzte gemeinsame Arbeit des erfahrenen Künstlerpaares Steffi Kühnert und Joachim Hamster Damm am Schweriner Theater sein – ein bewusster Akt der Solidarität mit Kollegen, deren Verträge nicht verlängert werden.
Erfahrene Künstler verlassen das Haus aus Prinzip
Steffi Kühnert, bekannt aus preisgekrönten Filmen wie „Das weiße Band“ und zahlreichen Andreas-Dresen-Produktionen, inszeniert gemeinsam mit ihrem Ehemann Joachim Hamster Damm, einem renommierten Bühnenbildner. Beide leben in der malerischen Mecklenburgischen Schweiz zwischen Teterow und Waren und haben bisher in freier Mitarbeit mit dem Ensemble des Schweriner Theaters zusammengearbeitet. Ihre Entscheidung, das Haus zu verlassen, fiel aus prinzipiellen Gründen.
„Es wird unsere letzte Inszenierung am Schweriner Theater sein“, erklärt Joachim Hamster Damm deutlich. Diese Entscheidung treffe das Paar aus Solidarität mit jenen Schauspielkollegen, die aufgrund der neuen Theaterspielzeit das Ensemble verlassen müssen. Der Bühnenbildner betont jedoch, dass bereits Anfragen von anderen Theatern vorliegen, was die Wertschätzung für ihre künstlerische Arbeit unterstreicht.
Stück thematisiert Personalabbau direkt
Die Handlung von „Im falschen Film“ basiert auf einem tschechischen Original und nimmt die aktuellen Veränderungen am Schweriner Theater direkt ins Visier. Das Stück beginnt als scheinbar harmlose, rasante Boulevard-Komödie mit einem bewusst karg gestalteten Bühnenbild. Im zweiten Akt entwickelt sich die Situation jedoch dramatisch, wenn plötzlich fünf Schauspieler fehlen – eine klare Anspielung auf den Personalabbau.
In den Hauptrollen agieren zwei erfahrene Ensemblemitglieder: Kathrin Heinrich, deren Spielzeit ebenfalls endet, und Jochen Fahr, der seit drei Jahrzehnten fester Bestandteil des Schweriner Theaters ist. Interessanterweise bilden beide bereits das bewährte Team des erfolgreichen Musicals „Cabaret“, das ebenfalls unter der Regie von Kühnert und Hamster Damm stand.
Künstlerische Kontinuität und bewusster Bruch
Joachim Hamster Damm hat bereits mit einem Puppentheater eine Kurzfassung von Georg Büchners „Dantons Tod“ in der Galerie Teterow aufgeführt und zeigt damit die Bandbreite seines künstlerischen Schaffens. Die aktuelle Produktion verbindet diese künstlerische Kontinuität mit einem bewussten politischen Statement.
Die Inszenierung „Im falschen Film“ steht somit symbolisch für den Widerstand gegen die Schließungspläne und Personalreduzierungen am Schweriner Theater. Sie markiert nicht nur das Ende einer fruchtbaren Zusammenarbeit, sondern auch den Beginn einer neuen Phase für die beteiligten Künstler, die ihre Prinzipien über institutionelle Bindungen stellen.



