Schlager im TV: Sendungen verschwinden, doch das Genre bleibt stark
Schlager im TV: Sendungen verschwinden, Genre bleibt stark

Der Wandel des deutschen Schlagers im Fernsehen

Millionen Deutsche verbinden Urlaubsgefühle mit Schlagermusik – ob auf Mallorca, in den Alpen oder bei Volksfesten wie dem Oktoberfest. Doch während fast die Hälfte der Bevölkerung dieses Genre schätzt, vollzieht sich im linearen Fernsehen ein tiefgreifender Wandel. Immer mehr etablierte Schlagersendungen fliegen aus den Programmen, was Fragen nach der Zukunft dieser Musikform aufwirft.

ARD streicht beliebte Formate

Erst kürzlich hat die ARD das Aus für zwei Publikumslieblinge bekanntgegeben: Die langjährige Sendung „Immer wieder sonntags“ wird nach rund drei Jahrzehnten eingestellt, ebenso wie die „Beatrice Egli Show“. Offiziell begründet der produzierende Sender SWR diese Entscheidung mit Sparmaßnahmen und der Neuausrichtung auf jüngere Zielgruppen sowie digitale Unterhaltungsformate. Stefan Mross darf zwar noch bis Spätsommer einige Liveshows moderieren, doch Beatrice Egli erhält vorerst keine Sendung mehr im Ersten.

Diese Entwicklung ist kein Einzelfall. Bereits Anfang des Jahres wurde die „Schlagerhitparade“ mit Christin Stark ersatzlos gestrichen, und der MDR überträgt in diesem Jahr nicht mehr die Open-Air-Show „Kaisermania“ mit Roland Kaiser. Die Begründungen der Sender ähneln sich: Sie verweisen auf die sich wandelnden Mediennutzungsgewohnheiten und die steigende Bedeutung digitaler Angebote.

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Experten sehen Genre weiterhin stark

Musikwissenschaftler Felix Thiesen von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover warnt davor, das Ende einzelner Sendungen mit dem Niedergang des gesamten Genres gleichzusetzen. „Die Popularität des Schlagers ist weiterhin ungebrochen“, betont er. Stars wie Helene Fischer, Beatrice Egli, Florian Silbereisen oder Giovanni Zarrella hätten in den vergangenen Jahren für eine erfrischende Erneuerung gesorgt und sprechen ein breites Publikum an.

Thiesen weist darauf hin, dass große Event-Shows nach wie vor erfolgreich sind – Florian Silbereisen erreicht konstant über vier Millionen Zuschauer. Entscheidend sei, dass sich der Schlager immer wieder neu erfinde und mediale Einbindung finde, um das Publikum zu binden. Laut Statistik des Deutschen Musikinformationszentrums hören fast 50 Prozent der Deutschen regelmäßig Schlager.

Verlagerung auf digitale Plattformen

Der Experte erklärt, dass neue Medien dazu führen, dass sich das Publikum auf andere Plattformen verlagert. Das lineare Fernsehen verliere an Gewicht, während soziale Medien und Video-on-Demand-Angebote wie Netflix an Bedeutung gewinnen. „Um zukunftsfähig zu bleiben, muss der Schlager sich an anderen medialen Inszenierungen orientieren“, so Thiesen.

Künstlerinnen wie Vanessa Mai setzen bereits erfolgreich auf Nähe in sozialen Netzwerken, nehmen ihre Follower mit in den Urlaub und vermarkten Produkte ähnlich wie Influencer. Für Nachwuchskünstler jenseits der großen Namen könnte das Verschwinden klassischer TV-Flächen jedoch problematisch werden, da sie lange von festen Auftritten im Fernsehen profitierten.

Entscheidend sei laut Thiesen aber Authentizität: Fans müssten einen Star als nahbar und erreichbar wahrnehmen. Dies sei im Schlager wichtiger als die bloße Präsenz in einer einzelnen Fernsehsendung. Das Genre zeigt damit eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an die veränderten Medienlandschaften.

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